Gedanken sortieren auf dem Mont Tremblant

Ich schlafe aus, mache in Ruhe Yoga, dusche und gehe zum Frühstück. Und bin da ganz alleine. Auch ein seltsames Gefühl, aber das Frühstück ist lecker, mit frischem Obst, etc.! Kurz auschecken, Sachen ins Auto (das fast alleine in der Tiefgarage steht) bringen und los geht´s in Richtung Berg – Mont Tremblant. Kalt ist es, offiziell der erste Tag der Reise mit Mütze und Handschuhen. Ich frage unten am Berg, wie lange man hoch braucht. 60-90 Minuten, sagen sie. Gut. Also los. Schon nach 15-20 Minuten hatte ich einen traumhaften Blick auf den bunten Ort und den dahinter liegenden See.

BlickaufMontTremblant

Ich bin zunächst parallel fast unter dem Skilift gegangen, aber dann gab es mehrere Optionen. Ich wählte eine und ging los. Es wurde immer einsamer. Nach einer gewissen Zeit dachte ich mir, hm, hier ist wirklich niemand. Schon länger nicht mehr. Es ist teilweise doch matschig, felsig, glatt. Wenn Du hier irgendwo ausrutscht oder Dich verletzt, ist es nicht so ideal. Dann kam ich an ein Schild, das mir zeigte, dass ich nach weiteren 15 Minuten noch nicht mal 1/4 gegangen war. Der Weg machte eine große Ausbuchtung nach rechts statt nach oben. Und so langsam bin ich jetzt nicht gerade unterwegs gewesen. Also entschied ich mich, den Weg zurück zu gehen und einen anderen Weg zu suchen. Nach 10 Minuten kamen mir dann zwei Familien entgegen, war ja klar. Wo waren die denn vorher? Naja, ich frage und finde einen anderen Weg, unterhalb einer anderen Seilbahn entlang. Da gingen auch ein paar wenige Leute, das konnte ich sehen. Also los. Es ging ziemlich steil bergauf, aber es machte echt Spaß. Nach ca. einer Stunde insgesamt merkte ich, dass ich nicht mehr solche Lust hatte. Es war auch echt steil, einige sind dann umgedreht, habe ich gesehen. Aber ich wollte unbedingt auf den Gipfel, hab mich immer wieder daran erinnert, was das für ein tolles Gefühl war, auf der Kampenwand oben angekommen zu sein (einige haben vielleicht meinen Facebook-Post dazu gesehen oder ich habe es erzählt). Ich wollte es unbedingt. Also weiter. Schön war die Landschaft da oben nicht, kaputtes gelbes Gras mit Matsch gemischt unterhalb der Seilbahn und rechts und links wurde es immer grauer. Kaum noch ein Blatt am Baum. Hm. Und plötzlich dachte ich: Was mache ich hier eigentlich? Ich muss doch da nicht hoch. Wenn es mir keinen Spaß macht. Und noch nicht mal rechts und links schön ist. Also hab ich einen Moment da gestanden und überlegt. Und dann bin ich umgedreht und wieder bis zu dem Absatz gegangen, wo ich den neuen Weg eingeschlagen war. Dort traf ich Leute, die ich fragte, welchen Weg sie gelaufen seien. Sie erzählten mir, dass es einen ganz tollen Weg gäbe, der aber ziemlich parallel verliefe und dann hier fast wieder rauskommt. Na dann mach ich doch das. Und es war die richtige Entscheidung, denn die Bäume waren noch knallgelb, da wir ja deutlich weiter unten waren und es war wirklich ein schöner Weg, der nochmal so 30-40 Minuten oder so ging. Herrlich. Hätte ich eine Bucketlist, wäre „Wandern in Kanada“ sicherlich auch drauf gewesen. Check! Und ich war ganz glücklich über meine Entscheidung, umzudrehen. Und dachte mir, es ist eigentlich wie im Leben: Man muss nicht immer auf die Spitze. Manchmal lernt man dadurch neue Leute kennen, redet mit ihnen und entdeckt ganz neue Wege, die vielleicht viel schöner sind und viel glücklicher machen. So ging es mir heute. Auch wenn ich einen Moment dran zu knapsen hatte, dass ich für mich gefühlt „aufgegeben“ hatte, so war es ein gutes Learning für die Zukunft. Genauso hab ich mir gedacht, warum ich eigentlich enttäuscht bin, dass der Indian Summer hier in seinen vollem Umfang vorbei ist. Weil ich vorher die tollen Bilder gesehen habe, wie die Berge hier leuchten und so schön bunt sind und das auch erleben wollte. Ich habe quasi „erwartet“, dass es hier so schön ist. Hätte ich es nicht erwartet, wäre ich auch gar nicht enttäuscht gewesen. Es liegt also nur an meiner Erwartungshaltung, dass ich enttäuscht bin. Wenn ich mich einfach mal drauf konzentriere, was IST – nämlich, dass noch einige Bäume gelb sind, dass die Sonne scheint, dass noch einige Restaurants geöffnet haben, dass ich aufgrund der Nebensaison noch einen Platz im Spa bekommen habe – und nicht darauf, was NICHT IST, dann sieht die Welt doch ganz viel positiver aus.

Was so eine Wanderung durch die Natur doch bewirken kann. Sie bringt die Gedanken zum Sprudeln… es tut gut, immer aufgeräumter zu werden.

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