LUXUS-TAG

Ich hatte am letzten Tag in Montréal vormittags  drei Optionen:

A. Ich gehe mit Gepäck zum Busbahnhof, fahre für 10 CAN$ 1h mit dem Bus zum Flughafen, hole dort meinen Mietwagen ab und fahre direkt los.

B. Ich gehe ohne Gepäck zum Busbahnhof, fahre für 10 CAN$ 1h mit dem Bus zum Flughafen, hole dort meinen Mietwagen ab, fahre 30 Minuten zurück zum Hotel, hole mein Gepäck und fahre dann los.

C. Ich fahre mit Gepäck für 40 CAN$ 30 Minuten mit dem Taxi zum Flughafen, hole meinen Mietwagen ab und fahre los.

A. fällt aus, weil ich Koffer plus Rucksack plus Mini-Reisetasche plus Handtasche nicht nochmal hier bergauf und bergab schiebe. So. B. war lange ne Option. Aber ich verliere einfach 2h Zeit, weil ich dann auch noch wieder aus der Stadt raus muss. Also C.: LUXUS-Variante. Und der Taxifahrer trägt meinen Koffer runter (zumindest von der Guesthouse-Rezeption, aus dem 2. Stock musste ich ihn schon selber schleppen) und wir brauchen nur knapp 20 Minuten, alles richtig gemacht.

Dieses Mal bekomme ich leider kein Mietwagen-Upgrade, aber damit hab ich auch nicht gerechnet. Auto abgeholt, alle Fragen gestellt, alle Unterschriften geleistet und los gehts. Ganz kurz frage ich mich – zugegebenermaßen etwas spät, wenn ich gerade aus dem Parkhaus rausfahre – ob die hier aus irgendeinem Grund wohl Linksverkehr haben. Hm. Ich sehe eine 50:50 Chance, habe keine Zeit für einen Telefonjoker und fahre mal rechts drauf los. Alle anderen auch. Gut.

Ich fahre los und die Bäume leuchten. Wundervoll. Ich habe am Abend vorher noch bei TripAdvisor gelesen, dass man in Mont Tremblant so toll wandern kann und dass es gerade im Oktober ein Traum ist, wenn der Indian Summer vorherrscht. Vorfreude hoch 10! Ich fahre und fahre und je nördlicher ich komme, desto weniger leuchten die Blätter. Blätter… warte mal, da sind ja kaum noch Blätter an den Bäumen… irgendwann wird es, um ehrlich zu sein, eher grau… ach menno.

Knapp 2h dauert meine Fahrt mit mehreren Fotostopps nach Mont Tremblant. Es ist DAS Freizeit-Ziel der Montréaler…. Montrénesen, wie heißen die wohl? hm – naja, eben der Leute, die in Montréal und Umgebung wohnen. Zum Wandern, Radeln, Ski-Fahren (soll eins der beliebtesten Ski-Gebiete Kanadas sein), Boat fahren, etc. etc.. Ich komme an und bin kurz verwirrt, da es irgendwie ein Alt-Mont Tremblant, ein Mont Tremblant-Ville, naja und dann eben den Berg Mont Tremblant gibt. Lerne aber, dass Alt-Mont Tremblant nicht so spannend ist, man hier im Mont Tremblant-Ort (habe bis zum Schluß nicht rausgefunden, wie dieser Teil des Ortes direkt im Tal des Berges nun heißt) bleibt. Ich werde im sehr netten und schönen Hotel begrüßt mit: „Warum kommen Sie denn zu dieser Jahreszeit? Die schöne Zeit ist vorbei: Die Blätter sind alle runtergefallen und der Schnee ist noch nicht da. Die meisten Restaurants haben zu und nicht mal die Seilbahn fährt mehr auf den Berg.“ Nee, ich bin ich auch froh, hier zu sein! Ich gehe also den ersten Hügel hinauf, also quasi ins Downtown des Örtchens. Es ist alles etwas künstlich angelegt mit bunten Häusern und vielen Ski- und Outdoor-Klamotten-Läden und ziemlich touristisch, aber ich mag es. Und ein paar Läden und Restaurants haben auch noch geöffnet. Starbucks auch – und jeder, der mich ganz gut kennt, weiß, dass das schon zu einem kleinen Glücksgefühl führen kann bei mir. Ich überlebe, auf den Berg hoch zu gehen, aber am nächsten Tag soll besseres Wetter werden, also verschiebe ich es. Ich war in fast jedem Laden einmal drin, habe jedes Haus von allen Seiten betrachtet und bin nach einer Stunde durch. Und ich bin wirklich langsam gegangen. Es ist 14h. Was mach ich denn jetzt hier? TripAdvisor hilf! Es gibt hier mehrere Spas, eins davon wird besonders empfohlen und ich meine mich zu erinnern, dass ich auf dem Hinweg da vorbei gefahren bin.

Zunächst nutze ich mein großes Hotel-Zimmer, sitze einfach mal gemütlich und faul auf der Couch rum, lese, schreibe,… und merke, dass es gar nicht schlimm ist, dass hier nichts los ist. Nach fast 2h Nichts-Tun rufe ich doch mal bei dem SCANDINAVE SPA an und frage nach. Es gibt ein Off-Season Angebot mit Schwedischer Massage und Bath-Nutzung für 99 CAN$, also ca. 65 Euro. Ach komm, was soll´s: gebucht! Ich denke – und soll recht behalten – dass so eine Massage mal die gesamten Anspannungen, ob dies und jenes auch wirklich klappt, ob mich gleich jemand überfällt, etc. und auch die gesamten Verspannungen vom Koffer-Geschleppe und Sachen-ins-Auto-Getrage, etc. lösen könnte und mich einfach mal etwas resetet. Hat es auch – und es war herrlich. Aber auch ziemlich schmerzhaft, demnach wohl genau der richtige Zeitpunkt. Ich kam gelöst und tiefenentspannt aus der Kabine. Und danach konnte ich ja noch das Spa mit den Bädern und Co nutzen. Es war ein Skandinavisches Outdoor-Spa mit 5 Angeboten für Wärme (finnische Sauna, norwegisches Dampf-Bad, heißer Whirlpool mit Wasserfall, etc.), 5 Angeboten für kurze Kälte danach (Eisbecken, Eiswasser-Schlauch, direkt unten In-Den-Fluß-Springen, Fluß-Wasser-Dusche (12 Grad), etc.) und 5 Angeboten für die Entspannung danach (Rotlicht-Liegen, Sessel mit Entspannungsmusik, draußen eingewickelt in Decken vorm offenen Feuer sitzen, etc.). Ich hab zwei Durchgänge gemacht und es war einfach ein Traum. Interessant ist es ja, dabei die Unterschiede zwischen Europa und USA/ und offensichtlich auch Kanada zu beobachten. Zunächst geht man in alle Bereiche (auch Sauna, etc.) nur mit Badekleidung! Niemand ist nackt. Und selbst in der Frauen-Umkleidekabine geht man in eine einzeln abschließbare Kabine, um sich umzuziehen. Und auch in Einzelkabinen, um zu duschen. Die sind schon echt prüde hier offensichtlich. Hab kurz an meine Handball-Zeiten gedacht…@meine lieben tusa-Mädels, die hätten mal bei uns mit duschen sollen…

 

Zum Abschluss wollte ich im Spa-Bistro noch etwas essen. Sie sagte, als ich am Telefon danach fragte, ob es was zu Essen gäbe, dass sie ein Bistro mit leichten Kleinigkeiten hätten. Ich liebe es ja, dass man hier, wie in den USA auch, von 2 Gerichten jeweils die Hälfte bekommen kann, wenn man es als Combo bestellt. Also ein kleines Stück Spinat-Tomaten-Quiche mit Salat bitte. Sie fragt mich: „Welchen Salat? Wir haben Nudelsalat mit Mayonnaise, Karotten mit Rosinen oder Maccharoni & Cheese-Salat.“ HAHAHAHAHA – na wie gut, dass es nur was Leichtes hier gibt. Definieren wir Salat, hahaha. Na gut, ich nehme Karotten mit Rosinen, was erstaunlich lecker war.

Ich habe es so sehr genossen und es tat einfach total gut. Richtige Entscheidung. Herrlich so ein Luxus-Tag. Als ich wieder im Hotel zurück war, bin ich sofort tiefenentspannt und glücklich eingeschlafen.

 

 

 

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