Wie, die parken unser Auto um?

Letztes Wochenende hieß es dann endlich: Es geht wieder raus! Und zwar so richtig. Also nicht nur einmal um den Block oder heimlich zum 2km entfernten Supermarkt, nein, wir bewegen uns aus unserem Viertel raus, wow. 

Wenn man bedenkt, dass wir keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürfen, weil diese nur für essentielle Berufstätige erlaubt sind (und das auch wirklich streng kontrolliert wird, wie man auf den Fotos beim Eingang zur U-Bahn sehen kann), wir kein Autofahren dürfen, weil man eine Sondergenehmigung braucht (gut, Martín mag sich diese irgendwie besorgt haben, aber ohne DNI (Personalausweis hier) geht das für mich nicht, ich darf also nicht mal Mitfahren), sind die neuen Fahrräder für uns wirklich der Weg nach draußen. 

Und dann war die letzte Woche wundervolles Wetter. Wir sind ja immer noch im tiefsten Winter und eigentlich wären so 10 Grad normal, aber hallo Klimaerwärmung, es waren 25 und einen Tag sogar 27 Grad. Am Samstag letzter Woche ging es dann los, wir sind 20km geradelt und haben festgesellt, dass das trotz gefühltem Muskelschwund hoch 10 noch möglich ist und sogar Spaß macht!! Yay! Herrlich war das. Durch die leeren Straßen und diverse Viertel ging es bis zum modernen Puerto Madero, dem neuesten Stadtteil von Buenos Aires, der ein wenig hier und da der Hamburger Hafencity gleicht. Dort war sogar ein Eisladen geöffnet und ein Starbucks und ich hatte so einen Moment, in dem ich mich gefühlt habe, als wäre ich im Urlaub: Sonne, Luft, Wärme, Eis, herrlich!

Unterwegs stellten wir fest, dass die Parks voll waren mit Menschen. Ist das erlaub? Eigentlich nicht, aber selbst die super präsenten Ordnungshüter und die Polizei sagt nichts mehr, alle sind einfach so müde von der Quarantäne und sogar ein paar Kinder spielten schon wieder Fußball im Park. Was so unglaublich klingt, ist hier wirklich eine absolute Neuigkeit, weil alle Parks, Spielplätze und co die gesamten Monate über geschlossen waren.

Und da auch die Blumenläden wieder auf haben, ging es für uns auf dem Rückweg noch schnell vorbei am 24h geöffneten Blumenstand, um einen schönen Strauß zu kaufen, denn wir waren Samstag Abend eingeladen!!!

Ich war fast ein bisschen aufgeregt, das erste Social Event seit 4 Monaten! Meine neue Buenos Aires Freundin Jeannine aus Zürich und ihr Freund Julián hatten uns zum Dinner eingeladen. Da auch das nicht erlaub ist, haben wir nicht geklingelt, sondern angerufen, dann ist sie runter gekommen, Maxi und ich sind mit ihr mit dem Fahrstuhl hochgefahren und erst 10 Minuten später kam dann Martín. Auf dem Balkon hieß es psssst!, damit die Nachbarn nichts mitbekommen (denn ACHTUNG: Die Regierung hat dazu aufgerufen, doch bitte die Nachbarn anzuzeigen und zu denunzieren (hallo Stasi), wenn Familie oder Freunde zu Besuch kommen), aber wir saßen einfach drinnen und hatten bis 3h Nachts einen wirklich wundervollen Abend, wurden lecker bekocht, hatten tolle Gespräche und sogar Maxi hat 3 Stunden ohne Handy ausgehalten und sich z.T. an den Gesprächen beteiligt – wow.

Und ich fand es einfach wunderschön, ein wenig Normalität zu haben, Sekt zu trinken und mit neuen Freunden anzustoßen. Als wir dann nachts um drei leiiiiise rausgingen zu unserem Auto – war es weg. Oh nein. Abgeschleppt? Ja…., da war wohl ein Schild mit Marktankündigung… aber jetzt in der Quarantäne? Weg war es auf jeden Fall. Taxi und Uber dürfen wir ohne Genehmigung nicht fahren und für die Stadträder haben wir nur 2 Accounts und Maxi ist minderjährig und bekommt keinen. Während wir noch überlegten, wie wir jetzt nachHause kommen, rief ich Jeannine an, die dann sagte, wir sollen mal die Straße runtergehen, manchmal „parken die die Autos um“, weil da auf dem Markt wirklich Lebensmittel verkauft werden an Ständen, das wäre ihnen auch schon passiert. Und richtig. 100m weiter stand unser Auto astrein eingeparkt. Hochgehoben, wegtransportiert. Ohne Zettel, ohne Strafe zu bezahlen, ohne ins ewig weit entfernte Abschleppparkhaus (3p?) fahren zu müssen. Das nenn ich mal Service. 

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