Fast das Bananabread vergessen

Wir sind nun seit fast zwei Monaten Zuhause. Die Ausgangssperre läuft und läuft und jegliche Lockerungen, die der Präsident vorschlägt, werden vom Bürgermeister der Hauptstadt für Buenos Aires Stadt nicht genehmigt. So hätten wir FAST im 500m Meter Umkreis spazieren gehen können. Und so hätte Maxi FAST einmal am Tag kurz mit raus gedurft. Aber nein. Es bleibt strikt. Wir bleiben die meiste Zeit drinnen und jeder Einkauf bleibt ein Highlight.

„Dann geh doch einfach öfter einkaufen, damit Du raus kommst“ höre ich oft. Zum einen besteht dann natürlich auch immer mehr Ansteckungsgefahr und auch wenn wir offiziell nur 3000 Infizierte in Argentinien haben, so ist die Dunkelziffer ungewiss, da einfach kaum Tests gemacht werden. Dazu kommt, dass die Stimmung auf den Straßen ganz seltsam ist. Nicht schön. Keiner redet miteinander, jeder versucht, den anderen zu meiden. Und aufgrund der Maskenpflicht sind natürlich auch alle irgendwie verkleidet. Was die Distanz gefühlt noch größer macht. Dazu kommt, dass überall laaaaange Schlangen sind zum Einkaufen und überall wird festgelegt, wo man wie Abstand zu halten hat. Das Gefühl des Lebens hier, in das ich mich so verliebt habe, bleibt komplett auf der Strecke.

Mir fehlen zunehmend die Natur, das Sich-Draußen-Bewegen und überhaupt die Normalität. Zum Glück habe ich meinen Job, Martín seine Fortbildung und Maxi zumindest fast jeden Tag irgendeine Schul-Aufgabe. Eine Aufgabe zu haben, macht es einfacher. Auch wenn wir trotzdem unsere Momente hier haben. Das bleibt einfach nicht aus und neulich hatte ich für mich eine mega Krise. Das ging so drei Tage lang und hat sich, klar, auch auf die anderen ausgewirkt. Als die erneute Verlängerung der Ausgangssperre verkündet wurde, bin ich in Tränen ausgebrochen. Aber nun geht es wieder. Es gibt gute Tage und nicht so gute Tage. Neulich war ein so sonniger Tag, fast wie Sommer, 26 Grad und ich bin ich heimlich in den Garten geschlichen und hab mich mit einer Zeitschrift in die Sonne gesetzt. Herrlich – Sonne auf der Haut, Augen zu, genießen. Dann schöne Bilder in der Zeitschrift, positive Stories und für einen Moment war die Welt einfach in Ordnung.

Ich wurde sogar so aufmüpfig, dass ich mit den Füßen (heimlich hinter einer kleinen Mauer, so dass mich hoffentlich niemand von den Balkonen sehen konnte) kurz im Pool war. Der lag da so verlockend vor mir in der prallen Sonne und es ist so Sünde, nicht reingehen zu dürfen.

Ansonsten vergehen die Tage eben irgendwie so. Maxi und ich backen in schöner Regelmäßigkeit Kuchen und Brot und neulich dachte ich plötzlich: Nicht, dass irgendwann die Quarantäne vorbei ist und wir haben gar kein Bananabread gebacken. Glaubt man Instagram, ist das ja quasi eines der MUST HAVES der Quarantäne. Also haben wir das auch abgehakt. Wobei wir einstimmig der Meinung waren, dass der Carrot Cake leckerer war. Solche Gespräche kommen wohl auch nur auf, wenn sonst nicht viel passiert. Ansonsten spielen wir diverse Spiele (was bin ich, Uno, Monopoly), ich freue mich wie Bolle, wenn ich im Supermarkt ein neues Puzzle ergattere, um Abwechslung reinzubringen, ich verdonnere Maxi dazu, möglichst einmal am Tag ne halbe Stunde auf dem Balkon in der Sonne zu sitzen, damit er überhaupt etwas Vitamin D abbekommt (er war schließlich seit fast 2 Monaten nicht einmal vor der Tür), was er auch inzwischen ganz von alleine fleißig tut, wir bestellen ab und an mal Essen, neulich gab es eine „Picada“, wie ein Tapasteller mit Wurst, Käse und Co – für mich war es wie deutsches Abendbrot und ich hab es mega gefeiert. Ich lese inzwischen das dritte Buch, koche nach Steffen Hensslers Insta-Stories „Schnelle Küche“ Rezepte nach, hab mich mega über Postkarten von meiner Family aus Berlin gefreut und sonst passiert einfach auch nicht viel.

Ansonsten ist der Herbst nun in vollen Zügen da, wir fangen an, Suppe zu kochen und abends ab und an schon mal Kerzen an zu machen. Die Blätter leuchten kräftig an den Bäumen und ich genieße den Blick aus unseren Fenstern auf die gelb leuchtende Stadt oder wenn ich gerade mal unten bin.

Und ich bin endlich erfolgreich bei meiner Suche nach einem Blumenladen, der Blumen liefert. Ich bin da ja wirklich seit Wochen hinterher, weil wir Blumen Zuhause einfach so fehlen, wenn sie nicht da sind und wenn ich dazu auch noch nicht in die Natur kann. Alle Läden, die ich angerufen habe bisher, hatten geschlossen und schon gar keinen Lieferservice oder nahmen Bestellungen an und nachdem ich alles im komplexen Bestellformular ausgefüllt hatte, hörte ich nie wieder etwas von denen. Und dann ein Lichtblick. Ich bekam eine Antwort, Fotos der Auswahl per WhatsApp und zack hatte ich so viele Blumen hier, dass ich mir gleich zwei Sträuße und eine einzelnen Blume hinstellen konnte. Wie toll – ein Glücksmoment in solchen Zeiten. Soul Food für mich.

Auch Soul-Food sind natürlich die Sekt-Abende per Zoom mit meinen Mädels aus Hamburg sowie das ab und an gemeinsame GNTM-Gucken und die herbstlichen Regenbögen hier:

Tja und in der Zwischenzeit freue ich mich über meine neue Maske, die Martíns Schwester Shirley für uns genäht hat und sende weiter mehr oder weniger lustige Spruch-Witze und Videos weiter – naja, zumindest ab und an.

Ich bin mal gespannt, wann hier wieder so richtig echte Realität herrschen wird. Und wie die wohl sein wird. Dies bleibt für uns alle abzuwarten. Bis dahin heißt es weiterhin: Bleibt alle gesund!

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