Viva Colonia

Letzten Montag hab ich mir mal einen Tag frei genommen und mir einen Wunsch erfüllt, den ich schon gaaaaanz lange habe. Eigentlich schon, seitdem ich das allererste Mal hier in Buenos Aires war, damals in meinem Sabbatical. Das war im März 2018, wahnsinn, wie lange das schon wieder her ist alles.

Man kann von hier mit der Fähre nach Uruguay rüberfahren, sowohl nach Montevideo als auch nach Colonia del Sacramento. Damals hab ich mich für die Hauptstadt entschieden und hatte einen schönen Tag in Montevideo. An diesen Tag danke ich immer noch gerne zurück, weil ich an dem Tag schon wußte, dass ich Martín am nächsten Tag das erste Mal treffen würde und da er ja aus Montevideo ist, wollte ich ihm was mitbringen. Ich hatte kaum Zeit und hab auch nicht so richtig was gefunden und dann einfach einen kitschigen Fußball-Uruguay-Schlüsselanhänger gekauft. Dieser führte am Tag danach zu unserem ersten Kuss. Er hat also quasi Geschichte geschrieben 🙂

Bisher habe ich es nie nach Colonia geschafft, das wollte ich nun ändern und da die Jungs nicht so heiß drauf waren, bin ich also alleine losgezogen.

6h aufstehen, fit, fidel und mega gut gelaunt (NOT! 6h ist einfach der Tod für mich) bin ich also zur Bahn gelaufen, dann mit der U-Bahn in die Stadt gefahren und auf dem Fußweg zur Fähre mit einem (ja, leider… Einweg-CoffeeCup hrmpf) Starbuck-Kaffee in der Sonne kam dann auch meine gute Laune. Auch wenn alle meinen Namen immer mit „China“ verstehen – WAS IST LOS MIT EUCH? Naja, Tina gibt es hier nicht als Namen und scheint auch irgendwie schwierig zu sein. Was soll’s.

Angekommen im Bus-Terminal stelle ich mich an die Schlange der hunderten von Menschen, die ebenfalls einchecken wollten. Ich war vorschriftsmäßig 45 Minuten vorher da, komme 15 Minuten vor Abfahrt beim Check-In dran, um mich danach in eine der Passkontrolle-Schlangen zu stellen. Wie sich herausstellen sollte, hab ich von allen 8 Schlangen gezielt die falsche gewählt, denn 10 Minuten nachdem die Fähre eigentlich schon hätte ablegen sollen (und ich bereits 20 Minuten in der Schlange stehe), sagte der Typ am Schalter ganz tiefenentspannt, dass sein System schon seit ner Stunde kaputt sei und wir hier gar nicht anzustehen brauchen. ACH SO. Aufruhr, Pöbelei, lateinamerikanische Temperamente um mich herum, aber hilft ja nichts. Ich merkte, wie wahnsinnig gelassen mich die Reiserei im Sabbatical für solchen Situationen gemacht hat. Neue Schlange, neues Glück. Und dann geht es doch: Ausreise aus Argentinien, Einreise nach Uruguay und keine 30 Minuten nach eigentlichem Fahrplan war auch ich auf der Fähre – wenn auch immer noch ziemlich müde, wie man mir deutlich ansieht.

Die Fähre war wie beim letzten Mal auf gefühlte -20 Grad runtergekühlt (wie auch die Züge hier oft), aber ich war mit langer Hose und Sweatshirt vorbereitet. Nach einer guten Stunde waren wir schon da, ist ja nur einmal über den Fluss „Rio de la Plata“ rüber. Die Sonne strahlte und ich war froh und glücklich, nicht Teil einer der Reisegruppen zu sein, die nun durch das beschauliche Städtchen geführt wurden.

Ich konnte alleine und in meinem Tempo durch die Stadt laufen, die UNESCO Weltkulturerbe ist, den Ursprung von Uruguay darstellt und in der man überall Einflüsse von Portugiesen und Spaniern sieht, die sich damals um Uruguay gestritten haben und jedem das Land mal ein paar Jahre „gehörte“. Ich hatte 7h Zeit bis zur Abfahrt der Fähre, was viel ist bei einer solch kleinen Stadt und so tingelte ich ganz in Ruhe vor mich her, sah mir die alten Holperstraßen und die Portugiesischen Häuser an, die alten „weltweit bekannten“ (ach ja?) Straßen, die wunderschönen Alleen und genoss die Ruhe abseits des Trubels.

Dieses Alleine-Reisen hat mir mal wieder ein unglaubliches Gefühl von Freiheit beschert. Es tat gut, alles genau so machen zu können, wie es mir gefällt. Fotos, wo ich möchte, Pausen, wo ich möchte, weiterlaufen, wenn mir danach ist. Und plötzlich war da wieder dieses Sabbatial-Gefühl, herrlich! Ich glaub, das hat sich so eingebrannt bei mir, da geht – hoffentlich – nie wieder weg. Neues entdecken, in kleine verwinkelte Straßen gehen, um zu sehen, ob da ein schönes Motiv ist, an den Gruppen vorbeilaufen und mein Ding machen zu können. I love it! Und so spazierte ich durch Ecken, an die die Gruppen nie kommen werden, weil sie nicht „auf dem Weg“ liegen, setzte mich auf Baumstümpfe und genoss den Blick auf die so schöne Natur dort, all das Grün und das Wasser.

Ich ging ins „Zentrum“, stiefelte auf den Leuchtturm hoch, von dem aus man einen wunderschönen Blick über die Stadt und den Fluss hat und kam unten auf dem Marktplatz ins Gespräch mit den Leuten. Mit der Dame im Souvenir-Geschäft, mit dem Schäfer, der Wolle vor dem Haus seiner Großmutter spann, mit den Leuten, die auf dem kleinen Marktplatz selbstgemachte Dinge wie Schmuck und Keramik verkauften und dabei ihren typischen Mate tranken. Und ich habe es so sehr genossen, mit ihnen sprechen zu können, ihre Sprache zu sprechen und somit ihr Land ein Stückchen mehr kennenzulernen. Das Land, aus dem Martín kommt. Auch das hat dieser kurzen Reise eine besondere Bedeutung für mich gegeben.

Abschließend wollte ich eigentlich ein bisschen an den Strand gehen, aber es zog zu, wurde windig und frisch und so genoss ich einen der besten Kaffees, die ich beim Reisen getrunken habe im „Colonia Sandwich Club“, der sich wirklich nicht nach gutem Kaffee anhört – aber 100% zu empfehlen ist.

Um 17h ging meine Fähre dann zurück nach Buenos Aires, zurück in meine neues Zuhause und dort wurde ich überraschend von Martín empfangen, der direkt nach der Arbeit zum Fährterminal gekommen war. So ein schönes Welcome back!

Colonia29

Ein Gedanke zu “Viva Colonia

  1. ……..ich freue mich sooooo doll für dich, dass Du so gut angekommen bist! Mach die Dinge wie sie kommen und genieße das Leben. du machst es genau richtig 🙂

    Und das mit dem Vertrauen…….ich sach ma GLÜCK gehabt!!!

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