Und dann war es endlich soweit!

Als wir im April über ein Mädels-Wochenende auf Sylt im Winter sprachen, hab ich klar die Ansage gemacht, dass mir das letzte November-Wochenende nicht so gut passen würde. Auf Nachfrage rückte ich raus: Na, weil ich da dekorieren muss! Ich wurde (und werde bis heute) damit aufgezogen und nicht ernst genommen, was per se eine Frechheit ist.

Meine Mädels eben. Ich wurde einheitlich überstimmt und wir fuhren an eben genau dem Wochenende. Was mich in Verzug brachte. Und in Streß. Deko-Streß quasi. Aber da ich im Sabbatical-Jahr die Zeit genutzt hatte, meinen (extrem feuchten) Keller auszumisten, hatte ich einen klaren Vorteil im Vergleich zu den Vorjahren: Die Weihnachtssachen waren alle schon mal oben in der Wohnung. Pünktlich zum ersten Advent hatte ich nach Nachtschichten also alles draußen und nach und nach wurde es wirklich schön bei mir, Kerzen über Kerzen, rot über grün über gold und richtig schön gemütlich. Hygge at its best. I love it. Der Rahmen war also geschaffen. Fehlte nur noch die innerliche Weihnachtsstimmung. Aber die kann man ja nicht mal so eben in einer Nachtschicht aus dem Keller holen.

Spruch_Weihnachten

Also wollte ich auf den Weihnachtsmarkt. Aber niemand hatte Zeit. hrmpf. Also dachte ich mir, schnappe ich mir meine im Sabbatical gewonnene IchKannDasSchließlichAuchAlleineEinstellung und los geht’s. Aber jedes Mal, wenn ich wirklich loswollte, mochte ich irgendwie doch nicht alleine gehen und blieb Zuhause. Ich war etwas traurig und auch genervt. Weil keine Weihnachtsstimmung in mir aufkam. Eine Freundin sagte zu mir: „Hab doch nicht so hohe Erwartungen an die Weihnachtszeit!“ – Hab ich doch gar nicht, erwiderte ich und merkte kurz nach dem Telefonat, dass ich eben doch Meister im Selbstbetrug bin, immer noch ab und zu. In der zweiten Adventswoche ging dann die Erwartungshaltung runter und die Weihnachtsstimmung kam zumindest nach und nach etwas zum Vorschein. Es wurden in großer traditioneller Runde Kekse gebacken, ich ging auf Weihnachtsmärkte in und um Hamburg, genoss die dekorierte Innenstadt und erfreute mich an Adventskalender und Kerzen Zuhause, packte Geschenke ein und es wurde nach und nach immer weihnachtlicher in mir.

Aber irgendetwas fehlte. Ich war froh, dass ich so rechtzeitig mit dem Besorgen der Geschenke begonnen hatte, hasste ich doch den Moment, wenn man eigentlich zum Weihnachtsmarkt in der Stadt verabredet ist, und vorher „nur noch schnell ein paar wenige Dinge“ besorgen möchte, mit dem Resultat, dass man (vorbereitet für den Weihnachtsmarkt) angezogen ist wie für eine Nordpol-Expedition, sich dann aber doch in Läden, in denen gefühlte 40 Grad Sauna-Temperaturen sind, befindet.

Es kam, wie es kommen musste und so befand ich mich vorgestern in der Thalia-Buchhandlung in der Stadt und wollte „nur noch kurz“ ein paar Bücher besorgen. Natürlich angezogen für die Nordpol-Expedition. Die Kombination aus Menschenaufläufen und Gewusel bei Thalia, einer Schlange an der Kasse von 50 Metern durch den Laden und den schweren Büchern in meiner Hand, brachte mich zu DEM MOMENT. Zu dem Moment, in dem mir der Schweiß den Rücken runterlief, ich die Mütze nicht mehr abnehmen konnte, weil die Haare durchtrieft waren, ich 25 Minuten an der Kasse stand mit viel zu schweren Büchern in der Hand und danach fix und fertig war. Und plötzlich dachte: Irgendwie gehört genau das auch jedes Jahr dazu. Zack da war es: Das Weihnachtsgefühl. Vielleicht hatte genau das noch gefehlt.

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