aus-ge-alleine-reist

Es geht mal wieder auf Reisen für mich und ich freue mich sehr, ja, bin sogar ein bisschen aufgeregt. Es sind zwar nur drei Tage, aber nach viel Alltag, wenn auch in einem anderen Land, hab ich doch langsam wieder Hummeln im Po. Ich stelle fest, dass mein übliches Pack-Chaos bleibt, auch nach viel viel Kofferpackerei in den letzten Monaten und auch, wenn es nur für 3 Tage ist. Zum Glück hab ich ja hier nur eine beschränkte Auswahl und nicht meinen gesamten Hausstand, das macht es etwas einfacher. Etwas. Am Dienstag mittag ging es für mich los zum Flughafen.

Da stand ich dann plötzlich, alleine. Ein seltsames Gefühl irgendwie und ich musste mich erstmal wieder daran gewöhnen. Ich reiste nur mit Handgepäck (hab ich – abgesehen von Business-Trips (Gott, in welchem Leben war das nochmal?) – noch nie gemacht) und war dementsprechend schnell durch den Check-in durch. Ich brauchte etwas, um in der Situation anzukommen und erinnerte mich, dass ich an einem sehr netten Bio-NatureFood-Organic-Laden vorbeigelaufen war am Flughafen. Dort gab es für mich einen leckeren Kaffee, ein bisschen Studentenfutter mit Joghurt und einen Moment Ruhe und Sitzen, um innerlich durchzuatmen. Mir wurde bewußt, wie sehr ich genau solche Läden vermisse und wieder einmal wurde mir klar, wenn eines Tages Buenos Aires, dann nur Palermo, der Stadtteil, wo es genau das alles gibt.

Da ich am kleinen Flughafen in Buenos Aires (Jorge Newbery) war, an dem primär nationale Flüge abfliegen, ging auch der Security Check ziemlich schnell. Flüssigkeiten in durchsichtige Beutel? Auspacken aus dem Handgepäck? Kamera separat auspacken? Schuhe aus? Verständnisloses Kopfschütteln – alles nicht nötig. Aber bitte Handy raus und in eine extra Schale. Immer mal was Neues. Ich weiß nicht, ob die Bomben in jedem Land unterschiedlich gebaut werden, aber warum Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen wirklich überall anders sind, ist und bleibt mir ein Rätsel. Ich nähere mich meinem Gate und bekomme hektische Flecken, alle stehen schon in der Schlange, hatte ich mich etwa so in der Zeit geirrt? Nee, der Zielort war noch nicht einmal am Bildschirm angeschlagen geschweige denn hatte das Boarding begonnen, aber es standen alle Passagiere bereits in der Schlange. Außer mir. Ich setzte mich und wurde von einigen verwirrt angesehen. Ja, ich bin Tourist, ich darf anders sein. Ich betrat als eine der letzten den Flieger und da der Flughafen mittendrin ist in der Stadt (in Palermo), hatte ich einen tollen Ausblick auf Buenos Aires – und den unendlich dreckigen Fluß Rio de la Plata.

Wir landen. Alle klatschen. Klassiker hier. Die klatschen hier auch im Kino, wenn der  Film vorbei ist. Für wen weiß ich nicht.

Wir landen auf dem kleinen Flughafen in Iguazú und dieses Mal habe ich Glück: Mein Transfer war schon da und gemeinsam mit zwei argentinischen Familien ging es zu unseren Hotels. Die eine Familie war aus La Plata, südlich von Buenos Aires, und mit ihren beiden Söhnen unterwegs. Der Kleine war 8 Jahre alt, hieß Joaquin (genannt Paco) und war zuckersüß. Er guckte mich mit großen Augen an und fragte seine Mutter: Kommt die wirklich aus Deutschland? Er fragte mich dann, wie man „ciao“ (man merkt hier in Argentinien sehr den italienischen Einfluß) auf Deutsch sagt und verließ den Bus mit einem lauten „tschüß“. Die nächsten Tage trafen wir uns immer mal wieder und ich musste für ihn was auf Deutsch sagen und alles faszinierte ihn. Total sweet.

Ich kam mittags in Puerto Iguazú an und es war regnerisch, kühl, grau in grau. Hm. Ja, es ist Winter, aber hier ist es ja deutlich nördlicher als Buenos Aires und an dem Dreiländereck Argentinien – Brasilien – Paraguay und die letzten Tage waren hier 30 Grad. Heute nicht. Ich laufe etwas im kleinen Ort herum, er ist voller Touri-Schnickschnack-Läden, wo es alles gibt, was man nicht braucht, wie u.a. ein Notfall-Set mit Fernet Branca und Cola. Naja, und natürlich Mate-Zubehör. Das ist das National-Getränk der Argentinier (eigentlich Uruguayer, aber eben auch Argentinier – da gibt es einen ewigen Streit drum) und wirklich jeder läuft hier damit ständig rum: Mit einem Mate-Becher mit Metall-Strohhalm und einer Thermoskanne, um ihn jederzeit frisch aufzugießen.

Was gibt es sonst noch hier? Nicht viel, außer Restaurants und Bars. Und dann sehe einen freddo Laden. freddo ist eine sehr leckere Eisdielen-Kette und Kaffee haben sie auch. Wenn ich mich fernab von Zuhause nicht wohl fühle, dann geh ich gern zu Starbucks. Egal, ob in Thailand oder Toronto, es ist ein Zufluchtsort für mich irgendwie. Sicherheit. Ich weiß genau, was mich dort erwartet. Es gibt 1000 gute Gründe gegen Starbucks zu sein, das stimmt. Trotzdem gibt es mir dieses gute Gefühl. Hier ist es so mit der Café-Kette HAVANNA. Und seit Neuestem auch mit freddo. Und auch wenn ich immer kleine, individuelle Cafés vorziehe, helfen solche Orte manchmal über schlechte Stimmung, Regen, Heimweh oder Einsamkeit hinweg. Und sind dementsprechend kostbar auf langen Reisen alleine. Also Eis und Kaffee im freddo. Zack, geht es mir ein wenig besser.

freddo

Und dann ist sie wieder da, die Situation: Guten Abend, einen Tisch für eine Person bitte. Ja, genau, ich bin alleine. Und ich werde nett bedient. Gerne, ob lieber mittendrin oder am Fenster? Am Fenster bitte. Ich bestelle Fleisch, „bife de lomo“, also Rinderfilet. Yes. Und Rotwein. Das war der Plan. Aber es gibt nur Flachen, ja auch kleine, aber nur 0.5 Liter. Sorry, aber dann rauschen die Wasserfälle morgen ohne mich durch die Landschaft. Also kein Wein. Sekt gibt es in Piccolo-Größe, gut, das schaff ich. Also Sekt zum Filet.

Wieder einmal sitze ich alleine im Restaurant. Und das AQVA (www.aqvarestaurant.com) ist super nett und sehr lecker und ich bekomme viel Aufmerksamkeit. Aber es ist keine Herausforderung mehr. Es macht mir nichts aus, aber es rockt nicht, es gibt mir nichts. Ich merke den gesamten Tag über, dass ich einfach nicht mehr alleine reisen mag. Es macht mir keinen Spaß mehr, Dinge alleine zu erkunden. Es macht mir keinen Spaß mehr, alleine zu reisen. Es hat sich aus-ge-alleine-reist. So.

 

 

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