Ein Ausflug nach Uruguay

Es war ein langes Wochenende und um dies maximal auszunutzen, nahm sich Martín noch einen zusätzlichen Tag frei und wir beschlossen, seine Familie in Uruguay zu besuchen. Sie wohnen in La Paloma, einem kleinen Strand- und Surfer-Ort mit SchnickelschnackelLäden und kleinen Cafés. Und los. Es war Freitag Abend, die Empanadas (mit Hack gefüllte Teigtaschen) sind eingepackt zusammen mit Chips, Schokolade und allem, was man für eine lange Fahrt so braucht. Und mit „lange“ meine ich: lange.

Für mich ist ja eine Autofahrt von Hamburg nach Berlin schon lange, 3 Stunden sind so das Maximale, das ich am Stück fahren kann, mag, will, möchte. Wir hatten 9 Stunden Fahrt vor uns. Puh. Ca. drei Stunden bis zur Grenze Argentinien – Uruguay, wo man im Sommer wohl stundenlang warten muss, weil viele Argentinier, vor allem die „Porteños“, so nennt man die Leute aus Buenos Aires, an die Strände nach Uruguay fahren, um dort Urlaub zu machen. Es war A. nachts und B. Winter, so dass wir nur ganz kurz die Pässe vorzeigen mussten und zack, waren wir drüben.

Wir machten zwei kurze Pausen, zum Tanken und Pippimachen und die Jungs waren maximal erstaunt, dass auch Frauen am Straßenrand (es war dunkel und es fuhren kaum Autos an uns vorbei!) pinkeln können. Ich bin halt Deutsche, kein ChiChiMädchen und Handballerin. Da lernt man das. Spätestens beim Bachhandball-Turnier. Wir vertrieben uns die Zeit mit Musik, Essen und Witze-Erzählen, wobei das nur so mäßig gelang, weil ich sie oft aufgrund der sprachlichen Barriere nicht verstand und/ oder die Jungs sich gegenseitig nicht verstanden, weil sie einen unterschiedlichen Humor hatten. Aber auch das war irgendwie wieder witzig. Martín fuhr, ich fuhr, Martín fuhr, ich fuhr und nach wirklich fast genau neun Stunden Fahrt komplett im strömenden Regen waren wir da. Um 3 Uhr nachts. Seine älteste Schwester hatte uns netterweise ihr Haus überlassen, wir kommen rein und es ist saukalt. Klar, wenn es schon in Argentinien keine Heizungen in den Wohnungen gibt, dann natürlich auch nicht in Uruguay. Sie hat einen wirklich gemütlichen Kamin-Ofen, aber wenn das Holz abgebrannt ist, ist es eben kalt. Und es war kalt. So kalt, dass wir mit Mützen geschlafen haben. Schneewittchen hätte ihre Freude an uns gehabt. Nach einer kurzen kalten Schlumpf-Nacht mit wenig Schlaf wache ich auf und es schüttet in Strömen. Hrmpf. Wir gehen zum Frühstücken rüber ins Haus nebenan zu seiner Mutter. Sie empfängt uns herzlich, freut sich n Loch in den Bauch, dass wir da sind. Mit Apfelkuchen (zum Frühstück!) und Kaffee gestärkt, fahren wir ein wenig mit dem Auto rum. Was natürlich im Regen so mittelmäßig schön ist alles, aber man bekommt einen Eindruck und ich könnte mir vorstellen, dass es im Sommer wirklich eine nette Atmosphäre ist hier. Außerdem ist es im Auto warm und trocken. Das Wochenende vergeht mit viel Regen, viel Kälte, viel Frieren, aber auch mit dem Kennenlernen einer wirklich lieben und herzlichen Familie, die mich sehr herzlich empfängt. Wir essen viel viel viel und ständig und ich erfahre, wie es ist, wenn viele Leute um einen Tisch sitzen und sich abends treffen und keiner Alkohol trinkt. Um ehrlich zu sein (auch wenn diese Erkenntnis eventuell etwas traurig ist), ist es für mich eine neue Erfahrung. Liegt eventuell an meinen „Alkoholiker-Freunden“ und meiner „Alkoholiker-Familie“ oder hm…. einfach an mir? Nein, Spaß beiseite, aber es war wirklich ungewohnt. Einen Abend verbringen wir mit Pizza und Fotoalben-von-früher-angucken bei der Schwester und dort gibt es Sekt (ha!) und mein Weltbild ist wieder hergestellt. Und als mal kurz die Sonne rauskommt, genieße ich das Gefühl von Kindheitserinnerungen auf der Schaukel vor dem Haus.

Am dritten Tag scheint die Sonne, wir fahren durch den Ort La Paloma, der plötzlich wirklich süß wirkt mit all seinen Surf-Läden, Bäckereien und kleinen Geschäften. Wir nehmen Maximo und das Cousinchen mit und natürlich Hund Charly, der sich gleich auf dem Weg eine Freundin anlacht und gehen am Strand spazieren, sammeln wunderschöne Muscheln und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es im Sommer viele Leute hierher zieht. Es ist zwar nicht Sylt, aber es gibt Strand und Dünen, einen schönen Leuchtturm und wenn die Sonne romantisch hinter der Stadt untergeht, dann ist es wirklich wirklich schön in La Paloma.

Am Dienstag morgen verabschieden wir uns von allen inkl. Hund Charly, Katzen Negrita, Mimi & Rosada, brechen auf und fahren weiter nach Punta del Este, den Ort der Schönen und Reichen in Uruguay, wo jeder, der in Buenos Aires Geld hat, ein Sommerhäuschen hat und sogar Mr. Trump gerade ein neues Gebäude errichtet. Wir bummeln ein wenig durch die Straßen, essen eins der teuersten Eis der Welt und genießen einen Moment am Strand, am Hafen und überhaupt die Sonne, die auch weiterhin den gesamten Tag über scheint.

Weiter geht es nach Montevideo. Wir suchen das Haus, in dem Martín aufgewachsen ist, finden es anhand von zwei Bäumen, die vor dem heute komplett veränderten Haus stehen und auf die er schon als Kind geklettert ist. Fahren bei seiner Grundschule vorbei, besuchen noch schnell einen Onkel und Martíns Bruder, der nach 18 Jahren aus den USA gerade zurück gezogen ist. So viel Familie. Wenn die mit der gesamten Familie zusammen kommen würden, wären es fast 100 Leute. Wenn ich mit meiner Familie zusammen kommen würde, sind wir 8. Oder mit allen allen 11. Andere Welt. So wie in Vielem.

Wir bestücken uns bei Mc Donalds für die Rückfahrt und los geht’s. 6-7 Stunden liegen ungefähr vor uns. Dachten wir. Leider doch etwas mehr, da eine Straße komplett neu gemacht wird und wir eine Stunde auf Sandweg mit Löchern ohne Ende fahren statt auf einer normalen Landstraße. Aber gut. Um 2h Nachts kommen wir nach Hause, Maximo hat am nächsten Tag noch frei und ich ja sowieso, aber für Martín hieß es, um 6h wieder aufstehen. Ich mache als erstes beide Heizungen an und freue mich, im warmen Bett zu liegen. Ohne Mütze.

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