Diverse Fallbacks und ein Plan C

„Wieviele Fallbacks braucht man bei einer WM?“ – Natürlich war ich für SCHLAAAND, aber ich dachte mir, wenn ich schon mal in Buenos Aires bin, dann wäre es doch auch wirklich schön, wenn Argentinien möglichst weit kommt bei der WM und als mir klar wurde, dass es ein Finale Argentinien – Deutschland geben könnte, waren meine Favoriten klar, auch wenn wir Deutschen hier schon überlegten, wie wir uns wo verstecken würden am Finaltag.

N Hauch zu weit gedacht eventuell, aber man soll ja immer groß denken. Hrmpf.

Vamos Argentina!

Als ich also letzte Woche mit Tanja aus Köln, die ich über die Plattform InterNations kennengelernt habe, welche weltweit Events für Reisende und Ausländer organisiert und eine Plattform bietet, um einen Austausch mit Einheimischen und Touristen bzw. HierLebenden zu haben, zum Public Viewing im Park Parque Centenario südlich von Palermo aufbreche, um das Argentinien-Spiel zu sehen, waren wir uns irgendwie – warum auch immer – ganz sicher, dass Deutschland ja so oder wo weiterkommen würde oder eigentlich auch schon ist. Schön hochnäsig könnte man denken, typisch deutsch, typisch Weltmeister. Oder die, die mich kennen, wissen: Einfach ein Mangel an Rechenfähigkeit 😉 Wir waren mental darauf eingestellt, Argentinien maximal zu unterstützen, ließen uns Flaggen auf die Wangen malen, kämpften um die besten (leider nur noch Steh-) Plätze im Amphitheater und waren in blau-weiß auf alles vorbereitet und guter Dinge. Das Spiel war ja bekanntlich alles andere als gut und die Stimmung beim Public Viewing wurde bei einigen etwas bedenklich. 5 Minuten vor Schluß war für mich klar, vor allem in Kombination der Ergebnisse der anderen Spiele, dass Argentinien raus ist und ich schlug vor, den Park aus Sicherheitsgründen vorzeitig zu verlassen. Tanja war nicht einverstanden und der Meinung, wir sollten noch einige Minuten warten. Tja und dann hatten die Argentinier das gleiche „Glück“, wie die Deutschen beim vorherigen Spiel und zack, war die Stimmung bombenmäßig und alles endete in einer großen Party mitten in der Woche. Herrlich! Vamos Argentina!

Plan A

Am nächsten Morgen ging es weiter mit dem dritten Deutschland-Spiel, um 11h Ortszeit hier war Anstoß. Wir verabredeten uns im Extrawurst, einer Deutschen Kneipe mit leckeren selbst gemachten Würstchen und Leberkäse – und dachten uns, um 12h kann man ja mal starten mit den herzhaften Leckereien. Der Plan stand fest. Und der Sieg war für uns sowieso irgendwie klar. Ich musste um 9h losfahren, um rechtzeitig da zu sein. Erst mit dem Zug. Dann mit der Metro. Da die Kneipe in einer der gefährlichsten Gegenden hier ist, bin ich gezielt früher aus der Metro ausgestiegen, um dann mit einem UBER weiterzufahren. Ich rufe eins, mein Auto wird bestätigt, ich warte. Das Auto nähert sich und fährt wieder weg. Ich sehe es aber auch nicht. Gut, einen Ford Ka kann man auch mal im Gewusel übersehen, aber es war wirklich nicht da. Vor allem nicht da, wo ich stand und wartete. Ich schreibe also eine Nachricht, wo er sei. Antwort: Emoji mit Daumen nach oben. Aha. Hä? Auto kommt wieder näher, ich sehe es wieder nicht, es ist wieder weg. Neue Frage von mir, ob alles ok ist, ob er kommen würde und die Info, wo ich genau stehe. Antwort: Emoji mit Daumen nach oben. Alter. In der Beschreibung stand, der Fahrer würde englisch, spanisch, türkisch und portugiesisch sprechen. Wohl nur in Emoji Sprache. Ende der UBER-Fahrt: Ich bekomme eine Nachricht über die App, dass die Fahrt abgebrochen wurde und mir ein neuer Fahrer zugewiesen wird. Inzwischen ist es 10.40h und ich stehe in der Nähe der gefährlichsten Gegend (gut, mitten am Tag, aber trotzdem) an der Straße. Mega Plan. Also Taxi. Ist ja nicht ganz ungefährlich hier, also genau auf die Marke und die Taxi-Farbe (schwarz, gelbes Dach, Marke: Radio-Taxi: Das ist ok) achten und von vorn herein klar machen, dass man sich total gut auskennt und fragen, wie lange es wohl dauert und was es wohl kostet. Bzgl. der Zeit checke ich gleich parallel google maps (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser) und merke: Hey, ich werde NICHT übers Ohr gehauen. Läuft. Ach nee, doch nicht. Stau. Warum? Weiß keiner. 10.50h. Ernsthaft?! Ich summe schon mal pauschal in Gedanken die Nationalhymne, aber komme dann doch noch kurz vor Spielbeginn an. Ich betrete die Kneipe und werde überrascht! Martín hat sich unter einem Vorwand aus dem Büro geschlichen, um Deutschland mit uns anzufeuern. Yay! Tanja und ihr Freund Andrés warten schon und haben Plätze reserviert und los gehts. Und plötzlich wird uns klar: Wir sind ja noch gar nicht weiter. Und MÜSSEN gewinnen. Mit zwei Toren. Oder doch nur mit einem. Es geht hin und her und hin und her und am Ende sind wir nur über eines froh: Dass uns die Farben blau-weiß besser stehen als schwarz-rot-gold, wobei wir doch extrem traurig sind. Man ey. Das gibt es doch gar nicht. Aber die Statistik scheint ja zu zeigen, dass man als Weltmeister immer in der nächsten Vorrunde rausfliegt. Toller Trost. Manno. Wir bestellen Leberkäse und trinken – ja: Glühwein. Super lecker. Und es ist auch echt kalt. Vor allem in den Deutschen Fußball-Herzen.

Plan B

Fußball-technisch hieß es für uns nun also: VAMOS ARGENTINA! Am Samstag vormittag verabredeten wir uns alle beim Public Viewing zum Argentinien-Spiel. 11h war Anpfiff. Tanja und Andrés wohnen um die Ecke und besetzten schon um 10h Plätze für alle – ja, das geht nicht nur mit den Liegestühlen auf Malle am Pool. Wir erreichen den Park um kurz nach halb elf und was ist – fürs Public Viewing gibt es keinen Einlass mehr. WHAAAAAT? Es sei schon total voll und da die Stimmung beim letzten Mal so eskaliert sei und die Ordner die Kontrolle verloren hätten, würden sie dieses Mal weniger Leute reinlassen. Eskaliert? Kontrolle verloren? Hallo? Ich war doch dabei. Das war alles mehr als gesittet dort und vor allem auch echt viele Ordner für relativ wenig Menschen. Ich denke an 20.000 Leute auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg beim Public Viewing und lächel innerlich. Äußerlich aber koche ich. Denn drinnen warten Tanja und Andrés mit Croissants und Leckereien. Yaldah (eine Iranin, die in Kanada lebt und zur Zeit ein Sabbatical in Buenos Aires macht) hat Kaffee mit, Martín hat Popcorn gemacht – wir sind vorberietet. Nur dürfen wir nicht rein. Wir kommen mit „wir sind extra aus Deutschland und Kanada angereist, um Argentinien anzufeuern“ und weiteren Ideen. Andrés versucht es mit „Deutsche Botschaft“, und widerwillig greifen wir zu dem hier doch seeehr gängigen Mittel und holen ein paar Scheinchen raus. Doch es ist absolut nichts zu machen. Tanja kommt zum Eingang, sagt den Ordnern, dass sie für uns Plätze haben. Schön, aber Plätze reservieren sei verboten und es würde nichts daran ändern, dass sie niemanden mehr reinlassen. Ja, aber. Ja, aber. Ja, aber. Nichts hilft. Der eine ist genervt, guckt den Beginn des Spiels auf dem Handy. Der andere sitzt alleine beim public viewing mit 10 Croissants. Und die Frauen bleiben stur. Geben alles. Augenaufschlag, bitte bitte. Irgendwann reicht es Tanja uns sie geht zu dem Ober-Ordner und…. heult. Weil ihre Freunde nicht reindürfen. Er sagt nur: tranquila, tranquila und….. WIR DÜRFEN REIN! Ha! Lehre fürs Leben für die Männer: Wenn Deutsche Frauen was wollen, dann kriegen sie es auch. Inzwischen steht es schon 0:1 durch Elfmeter. Aber das Spiel war ja endlich mal ein gutes, 7 Toren sprechen für sich. Leider sprach das Ergebnis weder für Argentinien, noch für unseren Final-Plan. Aber wir hatten einen runden Vormittag mit Brunch und toller Fußball-Stimmung bis kurz vor Schluss.

Plan C

Deutschland raus. Argentinien raus. Da Martín Uruguayer ist, hatten wir aber immerhin noch Plan C: Uruguay! Also los, den Sohn abholen und nachmittags wieder in den Parque Centenario. Es war deutlich voller als gedacht, die Uruguayer liefen mit Trommeln und wahnsinnig guter Stimmung auf, war es doch auch deutlich entspannter und mit weniger Leuten besetzt als beim Argentinien-Spiel. Aber die, die da waren, machten Stimmung, feuerten an, sangen, fieberten mit, hofften, bangten. Und was für ein Fest, als Uruguay wirklich gewinnt!

Zum Glück, denn einen Plan D haben wir nicht. Auch wenn Martín am Sonntag spaßeshalber mal ein altes Spanien-Trikot rausgeholt hat. Aber das braucht er für diese WM ja nun auch nicht mehr. Ab jetzt heißt es also: VAMOS URUGUAY!

EvivaEspaña

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