home away from home

Und dann saß ich da plötzlich: Auf dem Platz vor der Kathedrale in Murcia, dort wo ich vor 15 Jahren studiert habe, wo ich sooo viele Erinnerungen mit verbinde und bin einfach froh und glücklich, wieder einmal hier zu sein. Ich habe noch so viele Freunde hier, dass ich seitdem oft wieder zurückgekommen bin, aber das letzte Mal ist auch schon wieder fünf Jahre her. Und es tut gut wieder in dieser Stadt zu sein, dort wo ich jede Hausecke und jeden Winkel kenne.

Ich trinke gemütlich einen Café con Leche und bin so ganz doll im Hier und Jetzt. Ich habe Zeit, nichts vor, kann mich treiben lassen. Dieses Sabbatical-Gefühl eben. Das ist so einzigartig und wundervoll und ich habe in den letzten acht Monaten nicht eine Sekunde lang bereut, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Ich laufe also durch die Straßen, die Trapería und die Platería und erkenne so Vieles wieder und es fühlt sich so vertraut an. Ich liebe es alleine schon, über spanische Pflastersteine zu laufen. Und eine typische Empanada (Teigtasche) mit Thunfisch auf die Hand zu essen. Und dann reden – wie überraschend – alle spanisch, das vermittelt mir automatisch immer ein Gefühl von Urlaub. Diese Stadt ist einfach so schön mit all ihren Plätzen, schattenspendenden Bäumen, kleinen Geschäften, Cafés und Tapas-Bars. Ich setze mich an den Plaza de Flores, wo sich eine Tapes-Bar an die nächste reiht und genieße alles, was typisch ist: Vorweg erstmal eine „Marinera“, das ist eine kleine Portion Ensaladilla Rusa (also spanischer Kartoffelsalat mit Thunfisch und Eiern) auf einer Art ovalen Grissini mit Anchovi oben drauf. Sooo lecker und sooo Murcia. Dazu ein „Tigre“, eine gefüllte und überbackene Miesmuschel. Ebenfalls sooo lecker und sooo  Murcia. Im Anschluß gegrillte Calamaris und ich bin im TapasHimmel.

Natürlich gibt es auch Dinge, die neu sind: Es gibt plötzlich Starbucks und rote TouristenHopOnHofOffBusse sowie Stadträder zum Ausleihen. Mein kleines Murcia mausert sich offenbar zur TouristenStadt. Zurecht, denn ein Besuch lohnt sich einfach immer.

Ich wohne bei meinen engen Freunden Berna und Cristina und ihren beiden Kindern Julia und Germán. Und da inzwischen alle Kinder haben und aus der Stadt rausgezogen sind, war es eine gute Entscheidung, den Mietwagen zu behalten und flexibel zu sein. Ich fahre also am ersten Tag in die Stadt rein, biege von der Autobahn rechts ab Richtung meines alten Viertels „Barrio del Carmen“ und parke direkt vor meiner alten Studentenbude. Herrlich. Da steh ich dann vor meiner alten Haustür, gucke auf meinen alten Balkon, wo wir so oft saßen, meine Mitbewohner Gitarre spielten und wir Wodka Lemon getrunken haben. Herrliche Erinnerungen an eine tolle Studienzeit. Wenn ich mir allerdings heute angucke, was ich damals alles an der Uni auf Spanisch aufs Papier gebracht habe, frage ich mich, wie das möglich war, denn ich verstehe von all dem Marketing- und Business-Spanisch nicht mal mehr die Hälfte. Klingt aber nach wie vor beeindruckend und ich kann gar nicht glauben, dass ich dort sogar so viele Klausuren und Hausarbeiten vollbracht habe.

Wir haben nach wie vor eine WhatsAppGruppe mit allen meinen Spaniern und so wußten alle frühzeitig Bescheid, dass ich komme und haben es möglich gemacht: An einem Freitag haben ganz viele ihre Kinder wegorganisiert und wir sind in meinem Lieblingsladen „Los Zagales“ (beste und typischste Tapas in der Stadt: www.loszagalesmurcia.com) Essen gegangen und haben alle meine Lieblingsgerichte bestellt: Yummy! Und danach sind wir noch weitergezogen in einen Club, den es damals noch gar nicht gab und wir haben getanzt und auf die guten alten Zeigen einen Wodka Lemon bestellt. Gehen Morgen sind Berna, Cristina und ich dann noch durch das Uni-Viertel spaziert, an all den Bars und Clubs vorbei, wo wir damals immer feiern waren und mussten dann doch feststellen, dass wir das ein oder andere Jahr älter geworden sind, denn die Türsteher haben uns nicht mal mehr angesprochen, ob wir reinkommen wollen. Tja, 15 Jahre gehen eben nicht spurlos an einem vorbei.

Am Samstag habe ich mit meinen engsten Freunden hier Berna, Cris sowie Laura und Rubén (die sogar auf meiner Party in Hamburg zum meinem 40. waren) und deren Kindern einen Ausflug gemacht. Zuerst haben wir am Strand zu mittag gegessen und uns mit allen Leckereien der Spanischen Küche die Bäuche voll geschlagen. Wir saßen stundenlang dort entspannt im Schatten, die Kinder haben gespielt und es war einfach schön, mal so richtig Zeit zu haben und das Leben Leben sein zu lassen.

Danach sind wir zu einer alten Burg gefahren und haben die unsicher gemacht und danach nach Mazzarón zu alten Steinformationen – Orte, die ich damals nicht kennengelernt habe. Der Fokus lag wohl doch mehr auf dem Feiern damals als auf Sightseeing. Am Strand in Mazzarón haben wir dann den Sonnenuntergang genossen und bei einem Tinto de Verano (Rotwein mit Sprite) den wunderschönen Tag abgerundet.

Und Sonntag wurde mein großer Wunsch wahr: Noch einmal mit Allen (und es waren bis auf 4 wirklich alle alle, die ich dort kenne, dabei) in den Bergen eine große Paella-Party zu machen. Es war nicht nur super super lecker sondern auch einfach sooo schön, alle zu sehen, alle Kinder kennen zu lernen, alle mal wieder zu drücken und die alten Geschichten rauszuholen. Was haben wir gelacht und in Erinnerungen geschwelgt. Ich habe das sehr genossen und bin so dankbar, dass es allen immer noch so wichtig ist, dass sie es möglich gemacht haben. Toll war das!

Zum Abschluss habe ich mir noch einen Strandtag gegönnt und bin alleine zum „mil palmeras“ (tausend Palmen) Strand gefahren. Einmal noch spanische Sonne auf der Haut, eine letzte Marinera mit einer Clara (Alsterwasser/ Radler) am Kiosk dort geniessen und mich erst einmal wieder verabschieden von meinem Spanien, meinem Murcia.

Am letzten Tag war ich noch mit einer weiteren lieben Freundin, Maria, und ihrem kleinen Sohn einen Kaffee trinken in diesem super netten neuen Café Lab (http://cafelab.es), wo der Kaffee in kleinen ChemieMaßeinheitsGläsern serviert wird. Und ich bin immer wieder positiv überrascht, was für intensive und intime Gespräche man mit manchen Menschen führen kann, die man jahrelang nicht sieht, von denen man monatelang nichts hört und mit denen man trotzdem eine große Nähe hat irgendwie.

Ich bin ganz sicher demnächst wieder da – denn diese Freunde, die sind fürs Leben. Daran wird sich nichts mehr ändern. Was für ein Glück ich habe, damals so wundervolle Menschen kennengelernt zu haben.

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