Spring einfach, spring!

Vier Wochen Hamburg waren geplant. Viele Ideen hatte ich für die Zeit, wollte meine Wohnung neu gestalten, endlich mal wieder Zeit mit Malen, Nähen, etc. verbringen und – nachdem das auf der letzten Reise deutlich zu kurz gekommen ist – mal wieder Sport treiben. Und doch schoss mir immer wieder Buenos Aires durch den Kopf. Es fühlte sich so gut an, dort zu sein und ich würde so gerne wieder hinfahren. Diese Stadt hat mich irgendwie wieder zu mir selbst gemacht, ich habe die Distanz zu meinem Leben dort ablegen können irgendwie, kann ich gar nicht genau beschreiben und in Worte fassen.  Im Mai ist bereits Spanien geplant, so dass ich eigentlich erst danach, also ab Juni dort wieder hin könnte, aber für Juni hab ich auch schon grobe Pläne gemacht… und eigentlich, eigentlich,….

warum eigentlich immer eigentlich?! Ich könnte doch auch einfach jetzt fahren. Wenn sich etwas so gut und so richtig anfühlt, dann kann es ja quasi gar nicht falsch sein. Und was ist schon falsch. Richtig und falsch gibt es ja sowieso nicht, wie ich auf einem tollen Seminar im letzten Jahr lernen durfte. Ich gucke nach Flügen und hadere doch wieder mit mir. Macht das wirklich Sinn? Für 2 Wochen nach Argentinien zu fliegen? Aber mal ehrlich, muss immer alles, was wir tun, einen Sinn ergeben? Ich habe das unglaublich große Glück, Zeit zu haben und Geld fürs Reisen ist sowieso eingeplant. Ich genieße also die Sabbatical-Spontanität und Flexibilität und buche. Denn wie habe ich auf Kuba gelernt: Manchmal muss man einfach springen, auch wenn man keine Ahnung hat, wie man da im Zweifel wieder rauskommt – aber irgendwie (und zur Not mit Hilfe von anderen) geht es immer! Also los, ich springe. Der Koffer ist wieder mal gepackt, mein letzter Hamburg-Tag beginnt mittags mit einem Abschiedsvino mit Moni und endet abends mit einem Abschiedssekt mit Vivi (was würde ich ohne Euch „Handball“-Mädels nur tun…) und schon setzt Vivi mich am Flughafen ab, ich fliege bei wundervollem Sonnenschein los und nach kurzem Stopp in Amsterdam geht es für mich Richtung Buenos Aires.

14 Stunden Flug liegen vor mir und ich habe wie immer große Pläne: Mindestens zwei Filme möchte ich gucken, ein Buch lesen, auch Zeitschriften, Hörbücher und Playlists sind vorbereitet…. und dann schlafe ich nach dem Essen ein und als ich aufwache, haben wir noch 2 Stunden bis zur Landung. ZWEI. Krass. Mal eben 8 Stunden durchgeschlafen. Das habe ich noch nie geschafft (naja, doch… als ich von Püppis Hochzeit nach Hause geflogen bin und alle drei Nächte vor Ort vor lauter Rehearsal- und Hochzeitsparties kaum geschlafen hatte).

Als wir in Buenos Aires landen, ist es NOCH dunkel. Es ist 5:50h morgens, genau meine Zeit. Aber ich war ja ausgeschlafen und voller Vorfreude. Und als ich all die Lichter sah, wurde mir ganz warm ums Herz und ich wußte: Es war definitiv die richtige Entscheidung, wieder her zu fliegen. Wieder sind selbst die Zollbeamten so unglaublich nett (und so verdammt gutaussehend) und – wenn auch wegen des bevorstehenden G20 Gipfels – so werde ich doch mit netten Plakaten empfangen.

Ich verbringe die zwei Wochen mit lieben Menschen, die ich kennengelernt habe, treffe mich zum Lunch und Dinner, gehe auf Märkte und bin zum Kochen eingeladen (eine Spezialität hier: Chinchulines (gegrillte Kuh-Därme…..ich hab’s echt probiert (!), aber mehr als ein kleines Stück konnte ich echt nicht essen…),

und lerne endlich noch mehr von Buenos Aires kennen und lieben. Ich fahre mit dem Rad durch die Parks in Palermo und besuche den bekannten Rosengarten, gehe shoppen (von outlet shopping bis zu den luxuriösen Läden in den „Galerias Pacífico“ – na gut, da war es dann doch eher kostenfreies Window-shopping), mache eine free walking Tour (man bezahlt nur Trinkgeld an den Guide) über den Friedhof La Recoleta und lerne u.a., dass die Engel sich immer schlafend stellen, weil sie so nicht vom Teufel geholt werden können, so wie Geschichten, über junge Mädchen, die Gift bekamen, um von der Affäre der Mutter (Tänzerin) mit dem Präsidenten nichts mitzubekommen und dann leider nicht mehr aufwachten – bzw. erst, als sie schon im Sarg auf dem Friedhof waren und man bemerkte, dass man sie aus Versehen lebendig begraben hatte.

Ich fahre super viel mit Bus & Bahn durch die Stadt, kenne mich ja inzwischen ganz gut aus und bin doch immer wieder erstaunt, was die Leute alles in den Zügen verkaufen: Kaugummi, Putzlappen, Süßigkeiten, Thermoskannen (für den Mate Tee, den hier alle ständig trinken und bei sich haben), Kekse, Aufladegeräte fürs Handy, Zopfgummis, Haarspangen,…und manche legen auch einfach einen Zettel auf jeden Schoß und betteln um Geld für Lebensmittel. Und auch wenn ich das selber noch nicht einmal in irgendeiner Form hier erlebt habe, so weisen mich doch immer wieder alle darauf hin, wenig Schmuck zu tragen, auf mein Handy – auch beim Telefonieren – aufzupassen, auf meine Handtasche sowieso… vor allem an Orten, wie der Hauptbahnhof Retiro, an dem ich vorher auch noch nie war, heute aber ganz in der Nähe zum Lunch verabredet war. Und ich bin total positiv überrascht und begeistert. Gut, es ist nicht New York Central Station, aber er ist wunderschön und kein Vergleich zu Hauptbahnhöfen in Deutschland! Ein paar Straßen weiter, durch einen Park (Plaza San Martín) durch und vorbei an herrschaftlichen alten Gebäuden, treffe ich auf Ileana, mit der ich im Pani Buenos Aires verabredet bin – es ist sooo schön, alle wiederzusehen, die ich beim letzten Mal hier kennengelernt habe! Und ich erfahre auch endlich die Geschichte zu all den weißen Kopftüchern, die auf die Fußböden in den Parks, etc gemalt sind: Sie stehen für die „Madres de Plaza de Mayo („Mütter des Platzes der Mairevolution“), eine Organisation argentinischer Frauen, deren Kinder unter der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 unter zunächst ungeklärten Umständen „verschwanden“. Sie ist eine der wichtigsten Menschenrechtsorganisationen Argentiniens, die damals gegen dieses Verschwinden öffentlich protestierten und später die Aufklärung dessen erzwangen.

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