Eine Träne zum Frühstück

„Manchmal schießen Erinnerungen in Deinen Kopf, landen dann in Deinem Herzen und kullern schließlich als Tränen über Dein Gesicht.“ – Ja, da war er mal wieder, einer dieser Momente. Im Zug zurück vom Machu Picchu fing es schon an und im Bus, als es dunkel war und ich so Musik hörte und aus dem Fenster in das Dunkel und die Stille guckte, fing es dann richtig an.

Ich war ziemlich kaputt, müde, erschöpft, fertig und fühlte mich einfach alleine. Dazu dann noch Unterkünfte, in denen man sich nicht so wohl fühlt und ich hab mich einfach gesehnt – nach so viel. Nach meinem Bett, meinen Freunden, Hamburg, meiner Familie, einer richtig tollen Dusche, jemanden zum Anlehnen. Ich fühlte mich total alleine und verlassen von dieser Welt und ich habe mich gefragt, was ich hier eigentlich mache, so ganz alleine am anderen Ende der Welt. Ich mache das ja freiwillig und zahle auch noch Geld dafür. Kam mir ziemlich absurd vor für ein paar Stunden.

Aber nachdem ich dann – zumindest für ein paar wenige Stunden – im Bett lag und mich etwas ausruhen konnte, war es auch am nächsten Morgen gleich besser.

Um 5.30h ging es wieder los. 12 Stunden Reise von Cusco über Lima nach Buenos Aires. Und als ich ausstieg, war sie endlich wieder da: Die WOHLFÜHLTEMPERATUR, wie Christina und ich sie immer so schön genannt haben! Es waren um 19.30h immer noch 25 Grad – damit kann ich gut leben! Ich habe ein schönes Hotel hier mit einem riiiiesigen Bett, vielen Kissen und einer tollen Dusche. Yes! Und ich habe erst einmal ALLES ausgepackt (das erste Mal auf dieser Reise), denn ich bleibe für 9 Tage hier! Ein wundervolles Gefühl!

Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel, sagt mir der Taxifahrer ganz klar, – und der Typ an der Rezeption wiederholt es nochmal – dass ich keinen Schmuck (ja, machen sie auch ihre Uhr ab) tragen soll, keine Kamera, kein handy am Ohr!!! Ok ok. Ich bin erstmal vorsichtig.

Es ist inzwischen 21h und da hier so spät Dinner gegessen wird wie in Spanien (was ich ja liebe), laufe ich los, endlich wieder im kurzen Kleid und Sandalen – sagt der an der Rezeption, es sei ja leider frisch heute und ich könne wohl nicht draußen sitzen. What? Die Temperatur ist ein Traum! Tststs diese Argentinier.

Ich laufe ein wenig durch meinen Stadtteil Palermo Hollywood und geniiiieße es. Es fühlt sich gut an. Ich fühle mich hier wohl und richtig am Platz. Überall sind Restaurants und Bars, alle sitzen draußen und ich finde meinen Weg zum Restaurant Las Cabras und frage nach einem Tisch für eine Person, das alte Spiel. Auf Alleinreisende scheinen sie nicht mega eingestellt zu sein, wenn ich ihren Blick richtig deute. Wein gibt es nur flaschenweise, na gut, zumindest eine kleine Flasche. Malbec aus Mendoza bitte. Und dann gibt es Fleisch – argentinisches Steak, bife de lomo – und es ist sooooo lecker! Dazu einen Caesar Salat und ich bin im Glück. Wifi gibt es nicht, also beobachte ich die Leute und lasse mal alles auf mich wirken in Ruhe. Es ist laut. Sehr laut. Vorgestern stand ich da noch ganz alleine morgens über der Inka-Stadt und jetzt bin ich hier. Mittendrin. Und nochmal: Es fühlt sich verdammt gut an. Und das sind ja eben auch die Kontraste, die eine solche Reise so interessant und abwechslungsreich machen.

Und doch ist irgendwas anders. Es macht mir nichts aus, alleine hier zu sitzen, aber alleine hier zu sitzen. Macht keinen Sinn? Für mich erst auch nicht. Soll heißen: Alleine essen zu gehen, über die Blicke und Rückfragen „ganz alleine? Oder: nur 1 Person??“ hinwegzusehen, macht mir nichts mehr aus. Aber ich möchte jemanden haben, mit dem ich hier sitze. Nicht irgendwen, nicht jemand, mit dem ich smalltalk halten kann. Nein. Meine Freunde. Familie. Wo seid ihr denn alle???

Ich schlafe tief und fest und lange. Frühstück gibt es bis um 11h und es ist toll. Nicht nur der Frühstücksraum ist wunderschön. Ich starte mit einer lágrima, einer Träne, so nennen sie hier den Kaffee, den ich am liebsten trinke: Viiiiiel Milch und einen Espresso-Shot. Dazu Granola mit Joghurt, Obst und zwei media lunas, zwei Halbmonde, wie sie hier Mini-Croissants nennen.

Ich bin erholt, es ist warm, ich bin wieder ich, ich fühle mich wieder gut. Buenos Aires, Du machst was mit mir. Was Gutes.

 

 

 

 

 

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