Dos Chapoleras

7 Kaffeebohnen benötigt man für 1 Gramm Kaffeepulver. 7gr Kaffeepulver benötigt man für eine Tasse Kaffee. In jeder Kaffeebeere sind zwei Bohnen. Man benötigt also ca. 25 Kaffeebeeren für eine Tasse Kaffee. Genau die Menge haben wir zwei Kaffeepflückerinnen oder „chapoleras“, wie sie in Kolumbien heißen, gepflückt als wir auf einer Kaffeefarm waren.

Wir sind inzwischen nach Medellín gereist und von hier ist die Zona Cafetera, die Kaffee-Zone nur ca. 2 Stunden entfernt. Wir fahren in die Berge nach Fredonia zu einer familiär geführten Kaffeefarm mit einer kleinen Gruppe aus 4 Personen und verbringen den Tag dort. Gestartet wird mit einem leckeren typischen kolumbianischen Frühstück: Arepas de chocolo (Fladen aus süßem Mais) mit Ei und Käse. Und natürlich Kaffee. Dann lernen wir wahnsinnig viel Theorie über die Unterschiede von Arabica und Robusta, über verschiedene Pflückmethoden und, dass in Kolumbien nur mit der Hand gepflückt wird, wodurch wirklich nur die roten Beeren in die Auswahl kommen und keine unreifen. Daher die hohe Qualität des Kaffees im Vergleich zu bspw. Brasilien, die mit Maschinen pflücken. 500.000 Familien in Kolumbien arbeiten mit Kaffee. 950.000 Hektar sind mit Kaffee bepflanzt. 95% der Kaffeeproduzenten sind kleine Plantagen. Wir erfahren auch, dass es den ersten Coffee Shop 1475 in Konstantinopel (heute Istanbul) gab und 1662 dann den zweiten in London. Sooo viele spannende Infos. Dann wandern wir durch den (Regen-) Wald und dürfen selber Kaffeebeeren pflücken (Kaffeepflückerinnen = chapoleras) und sogar einen neuen Kaffeebaum pflanzen. Ich habe für ihn gleich einen Patenschaft übernommen, denn ich möchte diesen ökologisch-biologisch-familiären Ansatz voll und ganz unterstützen und finde es toll, dass sie sogar den Lebensraum für eine seltene Affenart gleichzeitig beibehalten. Ich nenne meinen Kaffeebaum „media luna“, also Halbmond, u.a. weil er eine etwas sichelartige Form hatte. Außerdem passt es so gut zum Namen der Kaffeefarm, die luna llena, also Vollmond heißt. Weil man den besten Kaffee zu der Zeit erntet. Unsere gepflückten Beeren durchlaufen einmal den gesamten Prozess bis auf die Röstung, so dass wir sehen können, wie alles funktioniert. Und wir löchern ihn mit 1000 Fragen – aber es ist eine wirklich tolle Tour!

Wir lernen viel über Juan Valdez und Standards in Kolumbien und erfahren endlich, warum es in den Hotels immer nur so schrecklichen Kaffee gibt. Bis vor ein paar Jahren (ca. 6-8) war es den Kolumbianern nicht erlaubt, die reinen Aralica-Bohnen, also den Kaffee der besten Qualität, im eigenen Land zu verkaufen, er wurde zu 100% exportiert. Den Kaffee, den die Kolumbianer tranken, das war der mit vielen Mischungen und wo auch nicht so gute Beeren drin vorkamen. Deshalb sind die Kolumbianer auch keine großen Kaffee-Liebhaber. Als dann mehr und mehr Kolumbianer reisten, stellten sie fest, wie gut Kolumbianischer Kaffee im Ausland schmeckt und nun darf der Kaffee eben auch im Inland vertrieben werden. In Hotels, etc. gibt es aber immer noch den nicht so leckeren Kaffee – übrigens ist das der, den auch Nestlé kauft… auch für Nespresso. Überdenkenswert! Zum Abschluss gibt es noch einen Kurzlehrgang im Kaffee riechen, sehen, schmecken und dessen Qualität bewerten.

Auf dem Rückweg halten wir kurz am Marktplatz in Fredonia und hier ist wirklich Kolumbien. Eine Mini-Banane kostet umgerechnet 3 Cent, wir sind die einzigen Touristen und werden dementsprechend angestarrt. Auf der einen Seite kein schönes Gefühl, auf der anderen Seite schön, ein authentisches Kolumbien sehen zu können, fernab von jeglichem Tourismus.

Spannend war das alles, wir haben viel gelernt und hatten einen rundum tollen Tag, der Abends noch abgerundet wurde von unserem kostenlosen Salsa-Kurs in einer Tanzschule nicht weit von unserem Hotel.

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