meerwasser- durchtränkt

Am vorletzten Tag in Cartagena heißt es für uns früh aufstehen, denn wir machen einen Ausflug. Isla del Rosario heißt unser Ziel, eine vorgelagerte Inselgruppe, bestehend aus vielen kleineren Karibik-Inseln. Wir stellen uns ewig lange traumhafte Sandstrände vor, Einsamkeit, Schnorcheln, Postkartenmotive. Es sollte anders kommen. Wir laufen zum angegebenen Treffpunkt (eine lange Kai-Mauer), sehen die erste Traube an Menschen und denken, zack, gleich gefunden. Zum Glück fragt Christina nach einigen Minuten mal nach, ob die anderen auch auf ein Boot warten. Äh nein, hier sei die Bushaltestelle. Ah ja, also gut, dann laufen wir mal schnell weiter. Menschenmassen und Touristen-Guides ein paar 100 Meter weiter, hier scheinen wir richtig zu sein. Wir fragen, wo wir hin müssen, wenn wir zur Isla del Rosario möchten. Mit welchem Anbieter wir denn fahren würden, es würde hier 16 geben – die dort alle hinfahren. 16? 16! Einsamkeit? Hrmpf! Wir wissen es nicht, können es aufgrund unseres Tickets aber auch nicht herausfinden. Früher hätte mich so etwas ja in Streß versetzt, vor allem, weil wir um 8h da sein sollten, das Boot um 8.30h abfahren sollte und es schon 8.20h war. Aber je mehr ich reise, desto mehr bewahre ich irgendwie auch immer die innere Ruhe: Wird schon klappen. So auch in diesem Fall. Ich bitte eine kolumbianische Guide, ob sie mal bei der Notfall-Nummer auf unserem Ticket anrufen könne, denn wir haben keine lokalen SIM-Karten, so dass wir nicht telefonieren können. Sie nimmt sich unserer zwei hilfloser Mädels an, stellt sich als Vilma vor und ab dem Moment haben wir Kindergarten-Betreuung. Sie telefoniert, wartet auf Rückrufe, fragt andere, klärt alles auf, schickt uns hierhin, wartet dort, ich komme gleich wieder, holt uns ab, dann ist sie weg. Innerlich schreien wir nach: WILMAAAAA! Und da ist sie wieder. Alles ist geklärt, die Boote fahren alle erst um 9.15h, wir sind super im Timing, haben einen Schattenplatz zum Warten und wissen nicht, ob wir uns mehr darüber freuen sollen, dass wir gefunden haben, wo wir hin müssen, oder mehr geschockt sind über die totale Touri-Nummer mit Menschenmassen um uns herum. Um darüber nachzudenken, ist es zu früh morgens. Wir sitzen ganz bald im Schnellboot mit Rettungsweste, die mir wie immer zu lang ist bei meinem kurzen Oberkörper, so dass ich wie eine Schildkröte ohne Hals aussehe. Aber als wir dann 45 Minuten über das Karibische Meer brausen, ist alles gut und wir genießen Meer, Sonne, Speedboot und das Sabbatical-Feeling. Angekommen auf der Isla de Piratas sind wir doch sehr enttäuscht, drei Mini-Strände, nicht wirklich schön und alles super touristisch. Schade. Aber wir machen das Beste draus. Schnappen uns zwei Liegestühle auf dem Steg mit wirklich traumhaftem Blick. Das Meer, die Farben, der Blick auf die benachbarten Inseln, das ist schon wundervoll. Und wir buchen eine Stunde Schnorcheln. Ich alter Wasser-Angsthase, direkt vom Boot ins Meer… ob das mal gut geht. Aber ich denke an Australien und Valencia und weiß, da ist es für mich auch gut gegangen, also wird es das hier auch – und so ist es natürlich auch. Und das Schnorcheln ist wirklich toll. So viele Korallen, so viele Farben und wirklich schööööne Fische. Mitten in einem knall-leuchtend-blauen Fischschwarm zu sein, ist einfach ein toller Moment. Zurück auf der Insel gibt es eben gefangenen gegrillten Fisch (mit Kopf – Trixie, ich hab Dich vermisst!) mit Kokosreis und wir sind im Urlaubsfeeling.

Als es zur Rückfahrt ging, kam ein Sturm auf und wir wurden darüber informiert, dass wir nicht den ursprünglichen Weg nehmen könnten, weil es mit den Wellen zu gefährlich würde. Sie wollten mit uns erst quer übers Meer mit viel Speed fahren und es wurde darauf hingewiesen, dass wir Kameras, Handys, etc. wegpacken sollten, da es eventuell etwas nass werden könnte. ETWAS? Wir saßen mittig im Speedboat ganz hinten und waren nach ca. 20 Sekunden meerwasserdurchtränkt. Augen zu (brennt sonst doch ziemlich) und …. einfach mal genießen. Hey, heute ist Donnerstag und wir düsen statt am Schreibtisch zu sitzen bei über 30 Grad im Speedboat über das Karibische Meer – was macht es da schon aus, dass man klitschnass ist. Es ist immer eine Frage der Einstellung! Der Weg führte nach der Meer-Überquerung durch Flüsse, an denen Locals in Hütten leben, wo Kinder auf Karren von Eseln gezogen werden und alles per Kanu erledigt wird – so bekamen wir noch echte kolumbianische Eindrücke, die wir sonst nie bekommen hätten. Manchmal kommt es eben anders und man gewinnt eigentlich immer.

Abends essen wir im Restaurant Carmen, dass uns Anne & Co empfohlen hatten und es ist wirklich ausgesprochen lecker. Zunächst hieß es zwar, es sei alles besetzt und es gäbe keine Chance, auf einen Tisch, aber als wir es uns gerade an der Bar gemütlich gemacht und mit den Barkeeper-Jungs Freundschaft schlossen, kam dann doch die nette Dame vom Empfang und begleitete uns in den Innenhof mit Lichtern und wunderbarer Atmosphäre. Geduld ist hier viel wert und zahlt sich einfach oft aus. Was für ein schöner Abend.

Der letzte Tag führte uns in das leckere Frühstücks-Café Epocha, wo wir Avocado-Toast, frisch gepresste Säfte und super leckeren Kaffee genießen konnten, was hier leider trotz Kaffee-Land nicht überall der Fall ist. Danach waren wir shoppen in einer Art Markthalle mit Zusammenschluss von mehreren kleinen individuellen Künstlern (selbstgemachte Schuhe, Bilder, Schmuck, Taschen,….) und waren froh, dass wir nicht so viel Platz im Gepäck haben….

Zum Abschluss schlenderten wir dann noch einen halben Tag durch den Stadtteil Getsemaní auf der Suche nach dem besten Grafiti-Foto.

Dann hieß es good-bye Hotel Casa La Fe, good-bye Cartagena, wir waren beide etwas wehmütig, wären hier gerne noch etwas geblieben, aber der Flug auf die Karibik-Insel San Andres war bereits gebucht. Gibt ja auch Schlimmeres.

 

 

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