Pleiten, Pech & Penny

wow – was für eine intensive New York Woche. Schön war´s, super viel erlebt, super viel unternommen, alles war irgendwie super viel. Und somit ist auch super viel schief gegangen. Mehr als in den letzten zwei Monaten, die ich unterwegs war. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass man alleine einfach vorbereiteter losgeht, konzentrierter unterwegs ist und weniger abgelenkt ist durch Gespräche, etc..

Aber fangen wir vorne an. Meine Freundin Moni ist ja aus Hamburg über Paris nach New York gekommen am Montag und wir haben uns problemlos am Flughafen getroffen. Ich hatte ca. 1,5 Stunden Zeit, bevor sie ankam, habe mich sehr nett mit einer Security-Mitarbeiterin am Flughafen unterhalten, die mir erzählt hat, dass es sich für sie nicht lohnen würde, an den Feiertagen wie Thanksgiving oder Weihnachten zu arbeiten, da sie schon über 65 Jahre alt und somit in Rente ist und ihr von der social security dann so viel Geld abgezogen würde, dass sie weniger hätte als an normalen Tagen. Das ist ja schon wirklich krass hier in den USA, wie viele Rentner noch oft Vollzeit arbeiten müssen, um überhaupt zu leben. Sie erzählte mir ebenfalls, dass ihre Nichte bei den „Rockettes“ mittanzt jetzt zur Weihnachtszeit in der Radio City Music Hall – als ich ihr sagte, dass wir dafür Tickets hätten, war sie ganz aufgeregt, erzählte, dass es nur zwei farbige Mädels gäbe, die mittanzen und eine davon wäre ihre Nichte, ich solle es nicht vergessen. Mach ich nicht. Und sie hat mich x-mal darauf aufmerksam gemacht, dass ich auf keinen Fall mit den nicht-lizensierten Taxi-Fahrern, die hier am Flughafen alle Leute aufdringlich ansprechen, mitfahren soll sondern nur mit den yellow cabs. Ja, weiß ich –mach ich auch nicht.

Moni und ich stiegen nach großer Wiedersehensfreude-Umarmung ins Taxi Richtung Manhattan und quatschten und quatschten, bis wir plötzlich feststellten, dass wir uns nicht mehr auf dem Highway befanden sondern in einer Art Seitenstraße in einer Gegend… naja, sagen wir mal, in der wir schon im Hellen nicht mit einer Bande Typen sein wollen würden, vor allem aber nicht im Dunkeln zu zweit… naja plus Taxifahrer. Da lobe ich mir ja den Kauf meiner Handy-Karte (beste Investition!!!), google maps an und zack sehen wir, dass dies der schnellste Weg ist, weil es auf dem Highway so voll ist. Alles gut also. Wir wissen allerdings nun auch, dass wir uns im tiefsten Queens befinden. Trotzdem alles gut. Wir sind zu zweit und das Gefühl ist ein komplett anderes, als wäre ich jetzt gerade alleine hier unterwegs.

Wir wohnen über airbnb in einem Appartment in East Village. Ich war noch nie in East Village und hatte bis dato auch noch nichts davon gehört. Als ich zu Beginn meiner Reise hier war und über die Brooklyn Bridge gelaufen bin, hatte ich einen „wundervollen“ Blick auf die Lower East Side, eine Ghetto-Gegend, und ich hatte kurz befürchtet, dass wir uns aus Versehen dort eingemietet haben. Aber dann erinnerte ich mich an die Bilder inkl. Foto vom Haus von außen und war beruhigt. Wie ich später erfuhr, wurde East Village von der Immobilienbranche so benannt, um es bewusst von der Lower East Side (was direkt südlich daran grenzt) abzugrenzen, um die Wohnungen teurer vermieten zu können, als sich der Stadtteil zu einem Szeneviertel entwickelte. Wir kommen in unserem Appartment an bei Grant, der hier wohnt und das Appartment ist super schön, unser Zimmer klein aber fein und Grant genau wie sein Freund Stephen super nett. Und die beiden Katzen Jozi und Penny sind entzückend (denken wir am Anfang, bis wir die aufgedrehte Penny ein paar Tage erlebt haben). Alles bestens also.

 

Es war inzwischen 19h oder so und bevor Moni Zeit hatte, darüber nachzudenken, ob sie eigentlich jetlag hätte und müde wäre, sind wir auch schon wieder losgezogen. Ca. 10 Minuten läuft man bis zur nächsten Subway-Station am Astor Place und somit sehen wir gleich die Gegend bei Nacht. Ich fühle mich von Anfang an wohl, es ist ein wenig wie die Schanze in Hamburg und ich weiß schon jetzt, dass es für mich die richtige Entscheidung war, auch für die letzten 4 Nächte, wenn Moni wieder abgereist ist, alleine hier zu wohnen. East Village ist – wie ich gelernt habe – ein ehemaliges Rock´n´Roll-Musik-Viertel, wo wohl viele Rocklegenden (u.a. Mick Jagger) gelebt haben und sich auch viele Clubs befanden oder noch befinden, die legendär für die Rock-Szene sind (in der ich mich nicht auskenne). So u.a. der CBGB auf der Bowery, in der wohl u.a. Guns´n´Roses, Sex Pistols, etc. gespielt haben. Heute ist es vor allem eine Wohngegend ohne viele Touristen, dafür aber mit Bäckereien, Apotheken, WaschCentern, einem tollen Käseladen, Cafés, Kneipen, Bars.

 

Wir fahren Richtung Times Square und essen lecker im Hard Rock Café (dieses Mal Burger und keine grüne Bohnen!), trinken Prosecco und genießen unseren ersten New York Abend.

 

Bis zu dem Zeitpunkt lief auch alles rund, würde ich sagen.

In der folgenden Woche sind wir dafür nicht nur mehrfach an falschen U-Bahn Stationen ausgestiegen, natürlich immer dann, wenn wir Tickets für die Oper oder eine andere Veranstaltung hatten, so dass wir hektisch laufend überall ankamen. Der Weg zum Christmas Tree Lighting am Rockefeller Center verlief ähnlich… erst kamen wir zu spät los, dann kam die Bahn gerade, als wir ankamen, Monis Ticket funktionierte aber nicht, so dass wir die Bahn verpassten, dann dauerte es ewig, bis die nächste Bahn kam, einmal drin, sind wir dann eine Station zu früh ausgestiegen und mussten wieder warten, dann am Rockefeller Center ausgestiegen, natürlich Menschenmassen – ich frage einen Polizisten, wo wir lang müssen, er sagt: „hier hoch, wo alle hoch laufen – oder MOMENTMAL, seid Ihr auf dem Weg zu einer Party?!“ Na klar man, er hat sofort den Durchblick gehabt, dass wir heute VIPs sind, also andere Treppe, wieder gefragt, hier Rolltreppe, hier Wege nach rechts, links, geradeaus und zack sind wir im Rockefeller Center, aber außer ein paar Polizisten ist dort kaum jemand. Ich frage einen, wo wir lang müssen und er guckt mich mit großen Augen an: „How did you get here?“ – Wir hätten hier scheinbar nicht sein dürfen, er hat Mitleid und sagt, kommt Ladies, ich helfe Euch, mir nach…. wir werden an Kontrollen vorbeigeschleust, an langen Schlangen von Menschen laufen wir direkt nach vorne und irgendwann guckt er uns verschwörerisch an. „Ok Ladies, von hier an seid Ihr auf Euch alleine gestellt, dort geradeaus und am Ende rechts – Ihr schafft das! Happy Holidays!“ was für ein netter Typ (auf den Tag genau 2 Monate jünger als ich, das haben wir im Rennen unterwegs noch geklärt, warum weiß ich nicht mehr).

Was ist noch schief gelaufen? Ach ja, ich habe es geschafft, innerhalb von vier Tagen zwei Kreditkarten zu verlieren – eine hab ich beim Metro Card kaufen stecken gelassen (wobei das eigentlich nicht sein kann, aber ich habe aktuell noch keine weitere Erklärung) und eine habe ich stecken lassen, als wir uns Stadträder gemietet haben direkt vorm Guggenheim-Museum. Es ist aber mit beiden Karten nichts passiert, obwohl ich es erst jeweils Stunden später gemerkt habe und sie somit auch dann erst hab sperren lassen können. Moni hat dann noch ihre frisch aufgeladene Metro Card verloren, wohl beim Bezahlen irgendwie oder Handy aus der Manteltasche nehmen. Ach ja und dann sind wir einmal nachts mit der U-Bahn zu weit gefahren. Nach Queens rein. Um 1.30h nachts. Kann man ja mal machen. Zum Glück war es auf der anderen Seite des Hudson Rivers (den wir gefühlt stundenlang unterquert haben) eine U-Bahn Station, in der wir nicht raus mussten auf die Straße, um die Richtung zu wechseln. Oh man. Irgendwas schien uns nach Queens führen zu wollen in der Woche…. Aber zu zweit ist so etwas eben alles halb so schlimm, man ärgert sich mal kurz, hat mal kurz ein mulmiges Gefühl und dann kann man drüber lachen. Hilft ja am Ende auch alles nichts. Wenn man sich drüber ärgert, ändert es die Situation ja auch nicht. Und ich kenne mich seit 40 Jahren und habe deshalb 4 Kreditkarten mit. Zu recht! Also jetzt natürlich nur noch zwei.

queens

 

 

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