Zwiebelsuppe in Tkaronto

Toronto, es tut mir leid – ich habe Dir Unrecht getan. Aber fangen wir von vorne an: Toronto hieß früher Tkaronto (ein indianisches Wort für „Ort, an dem Bäume im Wasser stehen“), dann York und weil man dann aber doch nicht immer mit New York City verglichen werden wollte, nahm man die vereinfachte Form von Tkaronto als Stadt-Namen: Toronto, ausgebrochen eher „Torono“. Wie schon angedeutet: Ich hab Toronto Unrecht getan, das muss ich mal ehrlich zugeben. Ich habe wohl an dem ersten Abend von 5 möglichen Wegen, die vom großen Dundas Square, der hier um die Ecke vom Hotel liegt und so was wie der Times Square von Toronto ist, abgehen, den einzigen gewählt, der nicht schön ist. Ich muss zugeben, dass ich so gut wie keine andere Ecke von Toronto gesehen habe in den paar Tagen, die nicht schön war. Nur die Yonge Street gen Norden ist wirklich runtergekommen und einfach scheußlich. Aber ansonsten kann ich verstehen, dass Toronto so oft mit New York City verglichen wird. Es ist natürlich nicht so groß, aber es hat viel zu bieten und ist in vielen Dingen vergleichbar. Und ich glaube, weil es eben doch auch eine Großstadt ist, musste ich mich erst einmal wieder dran gewöhnen: An den Lärm, die Wuselei, die vielen Menschen, Busse, etc. – das hatte ich die letzten Wochen in dem Ausmaß ja nicht. Aber Toronto ist toll. Zum einen gibt es so viele unterschiedliche Viertel. Diese sind in sich ziemlich abgeschlossen, drum herum ist dann relativ wenig, bis man ins nächste Viertel kommt. Und fast alle sind ziemlich unterschiedlich. Toronto ist eine sehr heterogene Stadt mit sehr vielen verschiedenen Herkünften ihrer Einwohner. Es gibt nicht nur Chinatown und Little Italy (wie in New York oder ja auch Boston, etc.) sondern beispielsweise auch Greektown und Little India, etc.. Dadurch natürlich auch die verschiedensten Restaurants und Einflüsse in allen möglichen Lebensbereichen. Es macht die Stadt sehr bunt und abwechslungsreich.

Ich bin also am ersten Toronto-Sightseeing-Tag in den klassischen roten Doppeldecker Hop-On-Hop-Off-Bus gestiegen. Unten kann man ja aufgrund der mit Werbung so halb verklebten Fenster immer nichts sehen – also dick eingepackt nach oben gesetzt und zu Beginn war es auch ganz ok mit der Kälte. Es geht los, wir fahren den gruseligen Teil der Yonge Street hoch und ab da ist vieles Schöne dabei. Es gibt ein wunderschönes, aber sehr teures Wohn- und Einkaufsviertel – eines der 7 teuersten Einkaufsviertel der Welt in einer Reihe mit der 5th Avenue ist NYC – das Yorkville oder auch Bloor-Yorkville genannt, wir fahren an privaten kleinen Schlössern/ Burgen vorbei oben auf einem Berg, an diversen Museen, die schon architektonisch von außen interessant sind (v.a. das ROM, das Royal Ontario Museum, aber auch das Sharp Centre for Design), es ist insgesamt (ähnlich wie in Manhattan) eine Mischung aus wundervollen alten Bauten und neuen riesig hohen Gebäuden. Es gibt viele Krankenhäuser und viel Forschung und ein Kinderkrankenhaus, in dem alles bunt ist, in dem die Fensterputzer als Spiderman verkleidet sind und Hundewelpen-Therapie erfolgreich praktiziert wird. Tim Hortons ist eine lokale Fast-Food-Coffee-Shop-Kette, nach dem Gründer und Eishockeyspieler Tim Horton benannt und Filialen gibt es wie Sand am Meer in Toronto – der Kaffee ist übrigens wirklich gut. Werbung wird oft auf Hauswände gemalt/ gesprüht, was wirklich toll aussieht, zwischen der Queens Street West und der King Street West ist laut Vogue eine der kultigsten/ individuellsten Shopping Areas der Welt (nach Tokyo und weiteren), es gibt ein Flatiron Building und ein Museum für Schuhe, das  sich in einem Gebäude befindet, welches gestaltet ist wie eine riesig große Schuh-Box! Und wir bekommen erzählt, dass die lokale Football-Mannschaft 49 Spiele in Folge verloren hat, das 50. knapp gewonnen und es daraufhin spontan auf den Straßen eine Party gab, als wären sie Meister geworden. Alles konnte ich leider nicht verstehen während der Busfahrt. Alle spanisch sprechenden Menschen um mich herum verstanden kaum Englisch (haben sie mir hinterher selber gesagt) und sind somit auch nicht dran interessiert gewesen, zuzuhören und reden – wie es ja so ihre Art ist: LAUT – die ganze Zeit dazwischen. Ich bitte höflich darum, ob sie sich wohl etwas leiser unterhalten könnten, da ich so gerne was verstehen möchte, ich alte Spießer-Braut. Klappt. 3 Minuten oder so. Spanien halt. Ach, egal. Spannend ist auch, dass hinter mir ein „Paar“ sitzt, die nicht wissen und wohl auch nicht ahnen, dass ich deutsch verstehe (und das sogar nahezu perfekt). Sie kommen aus Österreich dem Dialekt nach und haben eine Affäre. Seine Frau ist Zuhause in Wien und hat nun über Facebook durch Zufall (Freundin einer Freundin, deren Onkels Nachbar oder so) herausbekommen, dass die andere Tante zeitgleich wie er in Toronto ist. Alarm. Sie diskutieren also alle Optionen und jegliche Ausreden und ich denk mir nur: Dat wird nix meine Lieben! Als ich aussteige, lächele ich sie an uns sage nur: Na dann mal toitoitoi. Sie guckt erschrocken, er lächelt etwas verquer. Wie klar und einfach das Leben hier dann doch alleine ist!

Mein Ziel ist der CN-Tower. Durchgefroren bis auf die Knochen denke ich, dass es jetzt auch nichts mehr ausmacht, wenn ich da oben noch mehr friere. Also 40 CAN$ bezahlt (ernsthaft – um auf diesen Turm hochzufahren??? Naja, komm, ist wohl ein MUST DO) und nachdem ich an der klassischen grünen Fotowand für spätere 250$-Fotoverkäufe vorbei bin, geht es in den Fahrstuhl mit Glasboden und Fenstern, der außerhalb des CN-Towers hoch fährt. 550m ist der Turm hoch und war – bis die Emirate ein höheres gebaut haben – das höchste Gebäude der Welt. Doppelt so hoch wie der Eiffelturm. Man kann bei gutem Wetter angeblich sogar die Niagarafälle von oben sehen. Heute nicht. Gutes Wetter haben wir heute nicht. Von daher auch nur so eine mittelmäßige Sicht und ich merke, dass ich ein wenig Städte-Reisen-Begeisterungsfähigkeits-müde bin gerade. Ich habe auch keine Lust, die Bootstour zu machen, die mit im Preis der Bus-Tour inbegriffen ist. Aber das Schöne ist: Muss ich ja auch nicht. Ha! Die positive Überraschung oben auf dem Turm ist zweigeteilt: A. Es ist drinnen, also warm. B. Es gibt heißen Tee und ich taue auch innerlich wieder auf. Man kann sogar mit einem weiteren Fahrstuhl noch höher fahren, einen gesamten Bereich mit Glasböden gibt es – wo sich theatralische Dramen abspielen mit Leuten, die sich nicht drauf trauen, dann aber doch möchten und ja, nein, vielleicht, ich weiß nicht,… hallo – kann ich mal bitte vorbei?! Danke. Irgendwie finde ich auch das alles nicht so spannend heute. Weiß auch nicht. Was ich spannend gefunden hätte, wäre die Option, draussen mit Seilen befestigt, um den Turm herum zu gehen, quasi halb im Hängen. Aber da wir ja Off-Season haben, ist der Bereich schon geschlossen. Wäre wohl auch wirklich einfach zu kalt da oben. Und so richtig warm ist mir immer noch nicht. Ich fahre also wieder runter, laufe durch den ewig großen Shop (klar) und mache alle obligatorischen Fotos. Stelle fest, dass mein Bus wohl gerade weg ist (so genau weiß man das bei denen ja nie, weil sie ja nie pünktlich sind) und gucke mal, was die andere Straßenseite so zu bieten hat. Plötzlich stehe ich in einer hm ja, Spielhalle irgendwie. Aber nicht so eine wie bei uns sondern total cool. Auch für Kinder. Mit Restaurant und Bar. Und super nett. Neben mir ein Elternpaar, die Kinder spielen Computer- und Tanzspiele in der Spielhalle, sie bestellt ein Wasser, er einen Whiskey on the rocks – herrlicher Mitten-In-Der-Woche-Eltern-Nachmittag….. Ich bestellte mir eine Zwiebelsuppe – das ist jetzt genau das richtige. Und sie ist (natürlich nur FAST) so gut wie die meiner Mutter und die ist unschlagbar. Aber es tat so gut, diese heiße Suppe zu essen, yammi! Zunge verbrannt, doof, aber gehört eigentlich zum Zwiebelsuppe-Essen schon fast dazu. Bei mir zumindest. Ich frage den Barkeeper, ob er zufällig ein Kabel hätte, denn ich habe zwar mein (inzwischen mal wieder leeres) Handy und auch die powerbank dabei, aber das Kabel vergessen. Hrmpf. Er sagt, es gäbe eine Handy-Aufladestation, kostenlos. Ach. Da steht eine Box, Fach aussuchen, Handy ans Kabel, Code eingeben, Fach zu. Suppe leer, Handy aufgeladen, wieder raus, fertig. Und diese Boxen sehe ich später noch überall, in Läden, Einkaufszentren – was für ein super Service! Und man muss noch nicht mal dabei stehen bleiben, weil man selber den Code vergibt. I like!

Aufgewärmt, satt und zufrieden mache ich mich auf zur Bushaltestelle. Der Bus sollte zehn nach kommen. Fünf vor ist er da. Meine Laune im Keller, es regnete inzwischen, ich war wieder eiskalt und dazu auch noch nass. Super. Im Bus wieder die Spanier. Egal. Ich will nur noch ins Warme. Im Bus erhalte ich eine Nachricht von Caroline, ob wir nicht was essen gehen wollen. Und los. Hotelzimmer, heiße Dusche, wieder ins Sud Forno – ist ja quasi fast mein Stammladen inzwischen höhö. Nun ist es soweit: Meine Kreditkarte geht nicht mehr. Uiuiuiui…. hm. Naja, wie gut, dass ich noch ein zweite habe. Die geht. Und praktisch finde ich hier in Kanada, dass es ein anderes Procedere beim Bezahlen und Trinkgeld-Geben ist als in den USA. Hier bekommt man das Kreditkarten-Gerät hingehalten und es fragt einen, ob man Trinkgeld geben möchte und wenn ja, ob in Dollar oder in Prozent. Was für mich Goldfisch-Kopfrechenkünstler natürlich ideal ist, weil ich die Prozente nicht selber ausrechnen muss. Er schlägt immer automatisch 15, 18 der 20% vor – man kann aber manuell auch weniger eingeben, aber es ist hier (wie in den USA) üblich, wenn man mit dem Service zufrieden war, 20% zu geben. Wir haben einen netten Abend, aber relativ kurz, weil wir beide doch platt sind. Sie vom Arbeiten und ich… ja, wovon eigentlich? Von der Kälte? Hm. Ich weiß es nicht, aber ich fühle mich, als wenn ich krank werde. Also ab ins Bett, Mini-Reiseapotheke plündern und schlafen. Das hilft ja irgendwie immer.

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