Für den Fall der Fälle

Ich wache auf und entscheide mich spontan, heute zu den Niagara Fällen zu fahren. Ich wollte sooo gerne mit der „Maid of the Mist“ fahren. Das ist ein kleines Böötchen, mit dem schon mein Uropa ca. 1911 gefahren ist – vielleicht nicht direkt mit dem selben Böötchen, aber auch mit der Maid of the Mist. Ich recherchiere und finde heraus, dass diese aber seit 2013 nur noch von der Amerikanischen Seite der Niagarafälle abfährt – auf der Kanadischen Seite fährt der „Hornblower“ – das ist also mein Boot. Ich buche eine komplett Tour, da ich ja keinen Mietwagen mehr habe. Abfahrt ist nicht weit vom Hotel entfernt. Im Bus sitzt ein junges Mädel neben mir, die keine Lust zum Reden hat. Nach einem Stopp auf dem Rückweg trägt sie eine Mütze, auf der steht MOIN MOIN – ich frage sie, ob sie aus Hamburg käme. Nein, aus Berlin, aber sie war mal in Hamburg und hat so gefroren und dort diese Mütze gekauft. Aha, auf Deutsch redet sie dann doch. Sie hat gerade Abi gemacht und reist jetzt ein halbes Jahr umher. Auch nicht schlecht. Ich helfe ihr noch mit ein paar Google Maps-Fragen, denn sie hat kein Internet – das ist dann eben doch der Unterschied, wenn man schon mal 12 Jahre gearbeitet hat, dann kann man sich zum Glück auch Internet dauerhaft hier leisten. Und ich merke immer wieder, dass das eine soooo gute Investition war! Vor allem, wenn man alleine unterwegs ist. Nicht nur für Wegbeschreibungen sondern auch für Tipps und Öffnungszeiten, Telefonnummern, etc..

Wir fahren also los mit unserer Niagara-Touri-Bus-Truppe, 1,5 Stunden ca. und dann gibt es erstmal eine Weinprobe. Hallo? Es ist 11h morgens. Weinprobe? Wann werden die Wärmedecken verkauft? Ist das nicht auch so etwas Typisches auf solchen Reisen? Na gut, der Wein schmeckt, der Eiswein ist auch ok und es ist sogar ganz interessant, was wir dort im Wein College in Niagara alles erfahren. Es hat aber keiner was gekauft. Aber ich habe mich sehr nett mit einem Mädel aus Frankreich unterhalten, Caroline. Sie ist eigentlich auf einem Medizinischen Kongress in Toronto, hat aber festgestellt, dass die Niagarafälle so dicht an Toronto liegen und spontan heute geschwänzt. Davon gab es dann noch einige Leute auf unserer Tour, wie wir festgestellt haben. Wir fahren weiter und machen noch einen Stopp zum lunchen. In „Souvenir City“ – wirklich? Na gut, ich nehme heute alles mit. Was ganz süß war, dass alle, die dort gearbeitet haben, verkleidet waren – es war ja Halloween.

Caroline und ich verbringen mehr oder weniger den Tag zusammen und es ist wirklich super nett. Die Bootfahrt startet gegenüber der Amerikanischen Fälle (und zumindest sehe ich die Maid of the Mist…) und wir sind ausgestattet mit pinkem Regencape, welches zum kurzen gegenseitigen Fotoshooting führt. Ich habe mir das gesamte Areal um die Niagarafälle herum viel Größer vorgestellt irgendwie, aber beeindruckend ist es ungemein. Und dann fahren wir da wirklich rein. In diese hufeisenförmigen Kanadischen Fälle. Hammer. Unglaubliche Strudel unter und neben uns. So viel Sprühnebel, das man nicht mehr gucken kann und am Ende trotz des Capes sowieso total nass ist. Aber das ist egal. Denn es ist unglaublich beeindruckend. Und wie laut dieses Wasser ist. Und was für eine Kraft es hat. Wahnsinn. Naturschauspiel. Und dann sehe ich plötzlich einen wundervollen Regenbogen. Wie schön das ist. So einfach und so schön. Ich bin so froh, dass ich dort hingefahren bin. Natürlich ist es sehr touristisch. Aber ich bin ja auch Tourist. Bevor wir auf das Boot steigen, frage ich Andrew, unseren Guide und Fahrer, ob ich eine Chance hätte, während der freien Zeit vor Ort die „Journey behind the Falls“ zu schaffen. Er sagt, es würde knapp werden, könnte aber klappen. Juhu! Ich bekomme eine Extra-Wurst und fahre nicht mit dem Bus mit zu den Kanadischen Falls sondern laufe und will dann hinter die Niagarafälle laufen. Ich überrede Caroline, mitzukommen. Auf zwei Leute wartet so ein Bus vielleicht eher als auf eine Person. Und am Ende ist es zu zweit doch auch netter. Wir sollen auf Andrew am Boot warten, damit er uns noch schnell den Weg zeigt. Dadurch sind wir die letzten und warten auf das nächste Boot, kommen als letzte an, der Bus ist schon weg, … long Story short: Wir schaffen es nicht mit der Journey behind the Falls. Aber es ist auch nicht so schlimm. Ich habe für meine „you are here“ collection bei Starbucks noch einen „Niagara Falls“ Becher gekauft und bin glücklich. Wir laufen von Amerikanischen zu Kanadischen Fällen und fotografieren was das Zeug hält. Das ist ja bei Natur irgendwie so. Der Klassiker ist der Sonnenuntergang. Ein Foto. Oh jetzt ist es noch schöner. Und jetzt noch mehr. So ging es uns auch. Und als wir dann an dem Punkt waren, an dem das Wasser wirklich 2 Meter von meiner Hand entfernt war, da hab ich schon extremen Respekt empfunden. Diese unglaubliche Kraft, die die Natur doch hat. Irre.

Auf dem Rückweg mit dem Bus halten wir noch in dem kleinen schönen Ort Niagara-at-the-Lake und Caroline und ich verbringen die 30 Minuten in einem kleinen ganz süßen Café mit Quatschen und Leckereien.

Ein wenig durch die Straßen schlendern und zurück zum Bus. Sie erzählt mir, dass sie in einem tollen Hotel (The Westin Harbour Castle) unten direkt an der Waterfront wohnt und, dass es dort im 38. das Restaurant Toulà gibt und man einen unglaublich tollen Blick auf die Stadt hat. Ob ich nicht Lust hätte, mit ihr abends dort essen zu gehen. Ja klar, gerne. Zurück auf meinem Platz im Bus, gucke ich online auf die Menü-Karte und schlucke. Ich bin ja immerhin ein Jahr ohne Gehalt… hm. Plötzlich kommt eine Nachricht von ihr, sie hätte einen Tisch bestellt, ob es ok wäre, wenn ich mein Taxi bezahle und sie mich zum Essen einläd. Ich wehre mich kurz und freue mich dann einfach sehr! Also endlich mal wieder die schicken Klamotten und hohen Schuhe rausholen und los gehts. Wir essen 8oz Angus Beef Filet und es ist einfach unfassbar lecker. Und dazu noch ein super netter Abend mit tollen Gesprächen und es geht uns beiden so, dass wir das Gefühl haben, uns schon ganz lange zu kennen. Und was soll ich sagen – der Blick ist unschlagbar! Sogar vom CN-Tower kann er nicht besser sein, denn da sieht man ja den CN-Tower nicht.

Was für ein schöner Tag!

 

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