Mont Royal & Café Starbucks

Willkommen in Montréal, willkommen in der französischen Welt. Sogar Starbucks heißt hier „Café Starbucks“ – irgendwie lustig. Wie schon erwähnt, ist das kleine Hotel, in dem ich wohne, nicht nur ganz entzückend, hat das liebevollste Frühstück und super hilfsbereite Mitarbeiter, nein, es ist auch noch ideal gelegen. Ich wohne an der Rue Sherbrooke, im Reiseführer steht, sie sei die 5th Avenue von Montréal und dort läge auch das Ritz Carlton – wohl bemerkt, das erste der Welt. Die Rue Sherbrooke ist dabei allerdings 30km lang… ich wohne an einem anderen Teil, der ok ist, aber nichts mit der 5th Avenue zu tun hat. Macht aber auch nichts. Man kommt von hier wirklich überall zu Fuß hin.

Aber ich bin gerade etwas laufmüde und entscheide mit deshalb für ein 2-Tages-Ticket für den klassischen roten Touri-Doppeldecker-Hop-On-Hop-Off-Bus. Eine gute Entscheidung, wie ich schnell feststelle, nicht nur, weil ich somit auch in Gegenden komme, die ich sonst in meinen 3 Tagen hier wohl nicht gesehen hätte sondern weil ich es perfekt finde, ein bisschen was nebenbei erzählt zu bekommen. So weiß ich jetzt, dass Montréal nach dem Berg Mont Royal (einem erloschenen Vulkan) benannt ist und der Park auf dem Berg von dem Designer angelegt wurde, der auch den Central Park in New York design hat. Weiterhin lerne ich, dass Montréals Spitzname Sin City ist, weil um 1920 nur hier Alkohol erlaubt war; dass 1979 hier Trivial Pursuit (dieses Brettspiel, Ihr erinnert Euch…) erfunden wurde sowie Eishockey mit festen Regeln irgendwann 1870 oder so. Montréal liegt in der Region Québec, was in der Sprache der Ureinwohner so viel heißt wie „wo sich der Fluß verengt“. Wir fahren vorbei am Fairmont Le Reine Elisabeth Hotel, wo Yoko Ono und John Lennon 1969 geheiratet haben und der Text zum Lied „give peace a chance“ entstanden ist. Und als wir auf den Mont Royal rauffahren, geht die Straße an einem Friedhof vorbei, wo der Mann von Celine Dion (die ja aus Montréal kommt) begraben liegt und auch sie später mal beigesetzt werden wird. Unbedingt probieren soll ich Ahornsirup und Poutine: Pommes frites mit überbackenem Käse und Bratensauce. Na gut. Hört sich jetzt nicht nach „must do“ für mich an, aber I will give it a try. Hab ich dann auch. War ok, hat satt gemacht, aber muss ich jetzt nicht zwingend ein zweites Mal essen…

 

Die Fahrt mit all den Erklärungen war toll, man hat von da oben natürlich auch einen super Blick und ich entscheide mich dafür, die gesamte Runde einmal durchzufahren und dann bewusst nochmal hier und dort hin zu gehen, um dann Straßen und Gegenden genauer zu erkunden.

Leider fängt es irgendwann an zu regnen, so dass das Hop-Off weniger spaßig ist, aber ich entscheide mich – natürlich wieder mit meinem Mini-Reiseschirm unterwegs – durch den Regen zu laufen und in die Kirche zu gehen. In die Basilique Notre-Dame de Montréal. Natürlich war ich nicht die Einzige mit dieser Idee, aber es war auch nicht überlaufen. Ich finde es ja grundsätzlich immer etwas unpassend, wenn Eintritt genommen wird, um in eine Kirche zu gehen. Dann spende ich lieber etwas, das hat irgendwie einen anderen Beigeschmack. Aber darüber kann man hier wahrscheinlich auch eine große Diskussion beginnen, das möchte ich NICHT tun 🙂

Ich bin also drin und was soll ich sagen. Es macht mich wirklich sprachlos. Ich finde es so wundervoll. So schön. Traumhaft. Sehr besonders. Ich sitze da, genieße die Stille, die trotz der Besucher zum Glück herrscht. Werde für mich so ganz ruhig irgendwie. Und sitze da einfach. Und staune. Und BIN einfach nur.

Bevor ich nach geraumer Zeit wieder gehe, zünde ich natürlich Kerzen an, wie immer. Für Chrischi und für meine liebe Omi. Und für alle anderen, die von oben auf uns achten und mich auf meiner Reise begleiten.

Als ich rauskomme, schüttet es noch mehr und ich entscheide mich dafür, einfach in mein Hotel zurück zu gehen und den späten Nachmittag und Abend entspannt im Zimmer zu verbringen. Denn eins muss ich sagen: Auch wenn man reist, ist einem ab und an einfach mal danach, Nichts zu tun. Und dafür sind Regentage ja auch da. Zuhause wie hier auch.

Am nächsten Tag bin ich dann noch mal gezielt in die Rue St. Catherine gefahren, durch das kleine Chinatown gelaufen, durchs Gay Viertel geschlendert und die Rue St. Paul in Ruhe langgegangen mit Zeit, in die Geschäfte zu gucken. Morgens war ich beim Marché Jean-Talon Markt, habe dann doch eine kleine Flasche Ahornsirup gekauft und festgestellt, dass U-Bahn-Fahren in Montréal wirklich entspannt ist. Und alles ist super sauber, überall ist Personal, das man fragen kann. Hab ich so selten erlebt – gut, vielleicht in London. Aber sonst eher nicht. Ich finde, Montréal ist einfach eine wirklich schöne Stadt. Es gefällt mir hier sehr und die Menschen sind alle freundlich und dieses europäische französische Flair ist selbst bei mittelmäßigem Wetter einfach schön. Wäre es nicht so weit weg, würde ich sagen, es sei eine typische Städtereisen-Stadt für ein verlängertes Wochenende.

 

 

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