shower $0.50, to watch $1.00

Shared Bathroom. Ich habe ja immer deutlich und klar gemacht, dass ich nicht mehr in Hostels mit Gruppenzimmern und Tierchen im Bett schlafen möchte. Ich bin jetzt 40, habe lange genug gearbeitet und gespart, um das hier umzusetzen. Und nun wohne ich im Guest House – MIT SHARED BATHROOM! Es ist eine Ausversehen-Buchung gewesen und ich dachte mir dann, hey, was soll´s – wird schon werden. Wenn ich dann hier solche Schilder sehe in den Souvenier-Geschäften „shower 0.50$, to watch 1$“ – dann bin ich mir doch nicht mehr so sicher. Doch wir sind ja „nach Columbus-Day“ und von daher sind nicht alle Zimmer ausgebucht. Es geht also. Wobei ich kleiner Psycho jetzt die ganze Nacht gefühlt auf die Toilette muss. Nur, weil ich weiß, dass sie den Gang runter ist. Bekloppt. Dafür bezahle ich ja auch nur 185$ die Nacht hier, Schnäppchen-Alarm. Und das ist was, was mir hier echt auf den Zeiger geht. Ich meine, ich weiß, dass alles teurer ist, wenn ich auf die Hamptons fahre und nach Marthas Vineyard und hierher und dass es auf Inseln grundsätzlich noch mal teurer ist als auf dem Festland. Ist auch alles gut. Aber hier auf Nantucket ist es wirklich der Wahnsinn. Hier kostet sogar ein kleines Paket Wattepads fast 5$. Von allem anderen ganz zu schweigen. Das ist mir zu extrem. Dagegen ist Sylt ja n Ein-Euro-Laden.

Shower

Trotzdem ist das Inn ein wirklich schöner und liebevoll gestalteter Ort: The Barnacle Inn. Alles ein wenig verplüscht und mit Blümchen hier und Laura Ashley-Muster dort, aber irgendwie auch ganz urig. Und die Leute sind wirklich super nett. Und es gibt immer frisch gebackene Cookies und Kaffee und Tee. Man hängt abends ein gelbes Wa(h)l-Schild an die Tür, damit sie morgens gleich wissen, ob man Frühstück möchte. Welches kostenlos ist. Also in den 185$ inbegriffen. Und das Frühstück ist wirklich toll, also klar will ich, jeden morgen bitte!

Es hat heute übrigens nur etwas weniger geregnet als gestern, war aber genauso neblig. Also hab ich mich von der Idee, mir ein Rad zu leihen und zu den Stränden und Leuchttürmen zu radeln, verabschiedet, ausgeschlafen, in Ruhe auf der überdachten Terrasse gefrühstückt (kalt ist es absolut nicht, nur neblig und nieselig) und bin dann etwas später joggen gegangen. Diese Reihenfolge, weil es Frühstück nur bis 9.30h gibt. Ja, genau, nur bis halb zehn. Aber ich stehe hier sowieso viel früher auf als Zuhause, weil die Amis ja das Gegenteil der spanischen Zeitrechnung habe und man hier eher um 18/19h isst und dann der Abend auch um 21h vorbei ist. Von daher bin ich auch früher im Bett und komme trotzdem auf meine hochundheiligen 8-10 Stunden Schlaf.

Tja, und was macht man dann hier. Etwas rumlaufen. Einen Smoothie trinken im LEMON PRESS (29 Centre Street), einem tollen Salat-Smoothie-Healthy-Fresh-Organic-Food Laden in einem Hinterhof. Einen Kaffee holen im ISLAND COFFEE (4 Broad Street, etwas versteckt, aber der Kaffee ist sehr lecker). Und sich treiben lassen durch die kleinen Straßen hier.

Und dann hab ich mich einfach auf einen Steg am Hafen gesetzt und das Leben mal leben sein lassen. Einfach nur sein. Nichts zu tun zu haben. Keine To Do Liste, auch keine innere. Totale Entschleunigung. Ein ganz neues Gefühl. Ob es sich gut anfühlt? Ja und nein. Muss ich mich erst dran gewöhnen. Ist noch so ganz neu für mich. Aber irgendwie auch gut.

entschleunigung

So, bevor ich morgen weiterreise, muss ich aber doch abschließend nochmal ein paar Worte zur Insel verlieren: Den Spirit der Historie der Insel mag ich am Ende doch sehr. Etwas ausprobieren, gucken, ob es funktioniert und wenn nicht, dann sein lassen und was Neues wagen. Die Engländer haben zunächst versucht, Vieh hier zu züchten. Hat nicht funktioniert. Also haben sie sich von den Ur-Einwohnern den Walfang abgeguckt. Den dann jahrelang praktiziert. Dann wurde Öl entdeckt und Gold in Kalifornien und Aus war es mit dem Walfang. Nach einer Dürreperiode für die Insel mit Feuer, Bürgerkrieg in den USA, etc. wurde angefangen, alles neu aufzubauen und die alten Häuser, von denen es hier noch sehr viele gibt, zu restaurieren und für den Tourismus zu präsentieren. Das war damals schon sehr erfolgreich und ist es ja bis heute. Also nehme ich das mit von der Insel: Den Spirit des Ausprobierens, Scheitern-Dürfens und Neues-Wagens. So bleibt Nantucket doch noch positiv besetzt!

 

 

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